Quetiapin: Nebenwirkung, Wirkung & Dosierung

Quetiapin wird erfolgreich bei Patienten, die unter Psychosen und bipolaren Depressionen leiden, eingesetzt. Der Wirkstoff zeichnet sich dadurch aus, weniger Nebenwirkungen als andere Neuroleptika zu verursachen.

Quetiapin: Antipsychotikum mit sedierender Wirkung

Quetiapin wurde Ende der 1990er Jahre zugelassen und ist das am meisten verschriebene Antipschychotikum in Deutschland. Früher wurden Wirkstoffe dieser Art, die nervenberuhigend wirken, als Neuroleptika bezeichnet. Das Mittel wird zur Behandlung akuter Psychosen und bipolarer Depressionen genutzt. Es ist besonders hilfreich, wenn die Erkrankungen mit starken Schlafstörungen einhergehen.

Bei unipolaren Depressionen wird der Wirkstoff als Zusatztherapie begleitend zu anderen Antidepressiva und darüber hinaus für die Behandlung von Schizophrenie verschrieben. Die Wirkungsweise beruht auf einer Beeinflussung des Neurotransmitters Dopamin.

Im Folgenden wird Quetiapin im Hinblick auf diese Aspekte näher betrachtet:

  • Wirkungsweise
  • Anwendungsgebiete
  • Einnahme und Dosierung
  • Wechselwirkungen
  • Nebenwirkungen
  • Folgen einer Überdosierung
  • Absetzen nach Ende der Therapie

Menschen, die unter einer bipolaren Depression oder einer Psychose leiden und auch deren Angehörige finden bei folgenden Stellen Beratungsangebote und Hilfe:

DGBS (Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V.)
Klinik für Psychiatrie
Heinrich-Hoffmann-Straße 10
60528 Frankfurt am Main
E-Mail: info@dgbs.de
Telefon: 0700 333 444 54

psychenet (Netz psychische Gesundheit)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
E-Mail: info@uke.de
Telefon: +49 (0) 40 7410 – 0

Kennzeichen einer bipolaren Störung ist das Vorliegen von mindestens vier der folgenden Merkmale: ungewöhnliche gereizte Stimmung (#01)

Kennzeichen einer bipolaren Störung ist das Vorliegen von mindestens vier der folgenden Merkmale: ungewöhnliche gereizte Stimmung (#01)

Bipolare Störungen: Wechsel zwischen Euphorie und Depression

Kennzeichen von Bipolaren Störungen, die auch als manische Depressionen bezeichnet werden, sind die extremen Schwankungen in der psychischen Befindlichkeit. Phasen der Gereiztheit wechseln sich ab mit Phasen der Euphorie und der Depression. Besonders während der Phasen der Gereiztheit ist gleichzeitig der Antrieb erhöht. Ist eine solche Phase stark ausgeprägt, wird sie als manische, ansonsten als hypomane Episode bezeichnet. Schwere Manien werden meist zusätzlich durch Symptome einer Psychose begleitet. Dabei kann es sich beispielsweise um Größenwahn oder Verfolgungswahn handeln.

Kennzeichen einer bipolaren Störung ist das Vorliegen von mindestens vier der folgenden Merkmale:

  • ungewöhnlich euphorische Stimmung
  • ungewöhnlich gereizte Stimmung
  • Unruhe
  • Gesprächigkeit
  • Geselligkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • übermäßige Aktivität
  • übersteigerte Neigung zu riskantem Verhalten
  • gesteigerte Libido
  • vermindertes Schlafbedürfnis

Bipolare Störungen bleiben oft lange unerkannt. Erste Anzeichen sind teilweise Schlafstörungen und eine bereits vorhandene Depression sowie starke Stimmungsschwankungen. In den Notfallambulanzen psychiatrischer Kliniken finden Betroffene schnelle Hilfe, wenn die Probleme übermächtig werden.

Bipolare Störungen in Zahlen

Die Epidemiologie liefert statistische Zahlen zum Thema Bipolare Störungen:

  • ein bis drei Prozent alle Deutschen erkranken in ihrem Leben an dieser Störung
  • Frauen und Männer sind zu gleichen Teilen betroffen
  • im Verlauf der Krankheit beschleunigt sich der Wechsel zwischen den Phasen
  • bei zehn Prozent der Erkrankten treten mehr als drei Episoden pro Jahr auf
  • 75 Prozent der Betroffenen erkranken bis zum 35. Lebensjahr
  • 40 Prozent der Erkrankten leiden mindestens unter einer weiteren psychischen Erkrankung
  • 15 bis 30 Prozent der Betroffenen begehen eine Suizid
  • 25 bis 49 Prozent unternehmen einen Suizidversuch
Bipolare Störungen bleiben oft lange unerkannt. Erste Anzeichen sind teilweise Schlafstörungen und eine bereits vorhandene Depression sowie starke Stimmungsschwankungen.

Bipolare Störungen bleiben oft lange unerkannt. Erste Anzeichen sind teilweise Schlafstörungen und eine bereits vorhandene Depression sowie starke Stimmungsschwankungen.

Wirkungsweise von Quetiapin

Der Arzneistoff bindet die Rezeptoren von bestimmten Neurotransmittern im Gehirn und wirkt damit hemmend auf die Botenstoffe Dopamin und Serotonin. Dadurch wird die Verarbeitung von Sinneseindrücken beeinflusst und es gelingt, Wahnvorstellungen, Ängste, depressive Verstimmungen sowie Erregungszustände zu mildern und somit ausgleichend zu wirken.

Quetiapin wird teilweise begleitend bei unipolaren Depressionen eingesetzt. Überwiegend werden damit jedoch Schizophrenie und Bipolare Störungen behandelt, da es besonders auf die manische Komponente dieser Erkrankungen ausgleichend wirkt.

Nach ein bis vier Tagen tritt meist eine Wirkung ein, wobei sich der sedierende Effekt bereits nach ein bis zwei Stunden entfaltet.

Einfluss von Quetiapin auf den Dopamin-Haushalt

Dopamin ist einer der zentralen Neurotransmitter und sorgt im Gehirn dafür, positive Gefühle wie Freude und Motivation zu empfinden. Es ist darüber hinaus wichtig für das Lernen, die Gedächtnisleistung, die Feinmotorik sowie die Merkfähigkeit.

Ist zu viel von diesem Botenstoff im Nervenwasser des Gehirns vorhanden, hat das drastische Folgen für den Gemütszustand des Betroffenen:

  • manische Freude
  • Realitätsverlust
  • Schizophrenie

Hilfe bieten Arzneimittel wie Quetiapin, die den Überschuss des Neurotransmitters regulieren und somit antipsychotisch wirken. Der Wirkstoff bindet sich an die entsprechenden Rezeptoren, ohne jedoch für eine Aktivierung zu sorgen. Die Rezeptoren werden blockiert und können die übermäßige Dopaminmenge nicht aufnehmen. Für den Patienten bedeutet das eine Rückkehr in die Realität.

Quetiapin wirkt stark sedierend und dämpft auf diese Weise übermäßige Erregungszustände, Halluzinationen, Störungen des Denkprozesses und der Ich-Wahrnehmung.

Ist zu viel von diesem Botenstoff im Nervenwasser des Gehirns vorhanden, hat das drastische Folgen für den Gemütszustand des Betroffenen

Ist zu viel von diesem Botenstoff im Nervenwasser des Gehirns vorhanden, hat das drastische Folgen für den Gemütszustand des Betroffenen

Anwendungsgebiete von Quetiapin: Wirkung & Erfahrungen

Der Wirkstoff wird verschrieben, um eine Schizophrenie oder eine bipolare Depression zu behandeln. Ziel ist die Milderung oder Vermeidung der manischen und depressiven Episoden, die mit einer hohen Suizidgefährdung einhergehen. Außerdem wird mit diesem Mittel versucht, Rezidiven vorzubeugen.

Des Weiteren wird der Arzneistoff zur begleitenden Behandlung von monopolaren Depressionen eingesetzt, wobei der stark sedierende Effekt die Wirkungsweise anderer gleichzeitig verordneter Antidepressiva unterstützt.

Im Gegensatz zu anderen Schlafmitteln hat Quetiapin kein Potential, eine Abhängigkeit hervorzurufen. Aus diesem Grund wird es in geringer Dosis im Rahmen des Off-label-use teilweise zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Weil das Arzneimittel in Deutschland nicht für diese Indikation zugelassen ist, muss der Arzt den Patienten umfassend aufklären und außerdem das Haftungsrisiko übernehmen.

Quetiapin: Einnahme und Dosierung

Quetiapin wird in Form von Retardtabletten verabreicht. Retardtabletten zeichnen sich dadurch aus, dass die Wirkung zeitverzögert eintritt und die Wirkstoffmenge sukzessive freigesetzt wird. Auf diese Weise kann ein gleichmäßiger Spiegel des Wirkstoffs im Blut gewährleistet werden, ohne dass die Tabletten mehrfach eingenommen werden müssen.

Für die einzelnen Indikationen sind unterschiedliche Dosierungsschemata vorgesehen. Die Dosis wird individuell vom Arzt festgelegt und beginnt mit kleinen Wirkstoffmengen. Dieses Einschleichen reduziert das Auftreten von Nebenwirkungen. Die maximale Tagesdosis beträgt 800 Milligramm bei einer Manie und 300 Milligramm bei einer Depression. Jugendliche ab 18 Jahren sollten maximal 600 Milligramm einnehmen. Um den Zustand des Patienten zu stabilisieren, wird dann für die sogenannte Erhaltungstherapie die Dosis gewählt, bei der mit niedrigster Wirkstoffmenge ein zufriedenstellender Therapieerfolg erreicht wird. Die Einnahme muss ein- bis zweimal am Tag erfolgen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Der Abbau des Wirkstoffs erfolgt mit einem bestimmten Leberenzym, sodass Quetiapin nicht mit Arzneimitteln eingenommen werden darf, die dieses Enzym hemmen. Sonst bestünde die Gefahr, dass die Konzentration von Quetiapin im Blut übermäßig steigt. Zu den betreffenden Medikamenten zählen:

  • Mittel gegen Pilzinfektionen
  • spezielle Antibiotika
  • bestimmte HIV-Medikamente

Darüber hinaus sollten Patienten keinen Grapefruitsaft trinken, weil dieser den gleichen Effekt hat. Weitere Wechselwirkungen treten im Zusammenhang mit Beruhigungsmitteln und Alkoholkonsum auf. Der Apotheker berät die Patienten ausführlich über mögliche unerwünschte Wirkungen.

Zu den sehr häufig auftretenden unerwünschten Nebenwirkungen (bei mehr als 10 Prozent der Behandelten) zählen: Hoher Blutdruck.

Zu den sehr häufig auftretenden unerwünschten Nebenwirkungen (bei mehr als 10 Prozent der Behandelten) zählen: Hoher Blutdruck.

 Quetiapin: Nebenwirkungen

Die Einnahme des Wirkstoffs führt zu Nebenwirkungen, über die der Arzt oder der Apotheker informiert. Zu den sehr häufig auftretenden unerwünschten Nebenwirkungen (bei mehr als 10 Prozent der Behandelten) zählen:

  • Mundtrockenheit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • erhöhter Blutdruck
  • Schwindel
  • Gewichtszunahme
  • muskuläre Störungen

Häufig (bei einem bis zu zehn Prozent der Patienten) auftretende Nebenwirkungen sind:

  • Fieber
  • Hautausschlag
  • Ödeme
  • Kraftverlust
  • Reizbarkeit
  • verschlechterte Leberwerte
  • Verdauungsstörungen
  • Husten und Schnupfen
  • Kurzatmigkeit
  • Herzkopfen und Herzrasen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • kurze Bewusstlosigkeit
  • Rachenentzündungen
  • erhöhte Blutfette
  • Albträume
  • Suizidgedanken

Folgende gelegentlich auftretende (0,1 bis maximal ein Prozent der Patienten betroffen) Nebenwirkungen wurden beobachtet:

  • Nasenbluten
  • Asthma
  • Harnverhalt
  • Krämpfe und Krampfanfälle
  • Zittern, Steifheit, verlangsamte Bewegungen
  • veränderte Schilddrüsenwerte
  • veränderte Blutzuckerwerte

Außerdem wurde als Nebenwirkung eine negative Beeinflussungen des Stoffwechsels beobachtet, sodass es zu einer Gewichtszunahme kommt. Sehr selten entwickelt sich ein Diabetes mellitus als Folge der Therapie.

Häufig (bei einem bis zu zehn Prozent der Patienten) auftretende Nebenwirkungen sind:

Häufig (bei einem bis zu zehn Prozent der Patienten) auftretende Nebenwirkungen sind: Suizidgedanken

Seltene gefährliche Nebenwirkung: Kardiomyopathie

Extrem selten tritt bei den Patienten im Verlaufe der Behandlung mit Quetiapin eine gefährliche Kardiomyopathie auf. Diese macht sich zunächst durch eine erhebliche Atemnot bemerkbar und endet schließlich in einem kardiogenen Schock und einer Herzinsuffizienz. Deshalb sollte beim Auftreten von Atemnot sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, um einen derartigen Verlauf zu verhindern.

Dosierung von Quetiapin: Folgen einer Überdosierung

Eine Überdosierung kann verschiedene Folgen nach sich ziehen und im schlimmsten Fall bis zum Koma und Tod führen. Deshalb ist unbedingt auf die Einhaltung der Dosierungsvorgaben des behandelnden Arztes zu achten. Treten heftige Nebenwirkungen auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht oder ein Notarzt alarmiert werden.

Quetiapin absetzen nach Ende der Therapie

Das Absetzen erfolgt schrittweise durch Ausschleichen und stetige Verringerung der Dosis. Dieser Prozess kann sich über mehrere Wochen hinziehen und vermeidet Absetzungserscheinungen, die sich in Form von Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel und Gereiztheit äußern.

Wenn es darum geht, bipolare Depressionen und Psychosen zu behandeln, ist Quetiapin das mit Abstand am häufigsten verschriebene Arzneimittel.

Wenn es darum geht, bipolare Depressionen und Psychosen zu behandeln, ist Quetiapin das mit Abstand am häufigsten verschriebene Arzneimittel.

Welche Kontraindikationen sind zu beachten?

Schwangere und stillende Mütter sollten nicht mit Quetiapin behandelt werden, da noch nicht erwiesen ist, dass das Mittel die Gesundheit des Babys nicht schädigt. Gleiches gilt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Ältere Patienten sollten mit einer niedrigeren Dosis behandelt werden, da bei ihnen der Abbau des Wirkstoffs verlangsamt ist. Auch Patienten, die bereits unter einer Störung der Leberfunktion leiden, sollte dieser Arzneistoff nicht verschrieben werden.

Quetiapin: Meist verordnetes Antipsychotikum in Deutschland

Wenn es darum geht, bipolare Depressionen und Psychosen zu behandeln, ist Quetiapin das mit Abstand am häufigsten verschriebene Arzneimittel. Besonders die Kombination aus sedierender und gleichzeitig antidepressiver Wirkungsweise wird als vorteilhaft empfunden. Außerdem verursachen andere Antipsychotika motorische Störungen sowie Symptome, die denen einer Parkinson-Erkrankung ähneln.

Der Eintritt einer spürbaren Besserung des Zustands erfolgt unterschiedlich schnell. Es ist möglich, dass der dafür erforderliche Wirkstoffspiegel im Blut schon nach einigen Stunden oder aber erst nach einigen Wochen erreicht wird. Die Retardtabletten wirken zwölf Stunden, sodass Quetiapin zweimal täglich eingenommen werden sollte. Depressive Patienten reagieren meist sensibler auf Nebenwirkungen und gehen davon aus, dass die schlimmsten Nebenwirkungen eintreten werden. Es ist deshalb wichtig, dass die Betroffenen während der Therapie engmaschig von ihrem Arzt betreut werden, damit die Dosierung eingehalten und der Behandlungserfolg möglich wird.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Antonio Guillem  -#01: Roman Samborskyi -#02: Iam_Anupong -#03: andriano.cz -#04:  Dejan Dundjerski_-#05:_Alexxndr -#06: Photographee.eu

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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