Opipramol: Nebenwirkung, Wirkung & Dosierung

Opipramol: Wirkstoff gegen Angststörungen und Depressionen. Opipramol gehört als trizyklisches Antidepressivum zu den Wirkstoffen der ersten Generation. Es entfaltet jedoch eine andere Wirkung, denn es hemmt nicht die Wiederaufnahme von Neurotransmittern, sondern aktiviert Sigma-Rezeptoren.

Opipramol Wirkung: Stimmungsaufhellender Angstlöser

Das Antidepressivum Opipramol wurde bereits 1961 von der Firma Novartis auf den Markt gebracht und gehört zu den Trizyklika. Der Wirkstoff ist einer der am meisten verordneten Antidepressiva und in vielen Arzneimitteln als Opipramoldihydrochlorid enthalten. Der Arzneistoff ist zugelassen, um Angststörungen und psychosomatische Erkrankungen zu therapieren. Darüber hinaus entfaltet der Wirkstoff stimmungsaufhellende und beruhigende Effekte.

Die Wirkungsweise dieses Antidepressivums ist bis heute nicht vollständig geklärt und aus diesem Grund wird der Arzneistoff auch mehr als 50 Jahre nach seiner Einführung immer noch weiter erforscht. Es ist bisher nicht erwiesen, warum Opipramol trotz seiner ähnlichen Struktur völlig anders wirkt als die anderen Trizyklika. Der Wirkstoff wird als stimmungsaufhellender Angstlöser bezeichnet.

Opripramol wird überwiegend Patienten verschrieben, die von Angststörungen und Spannungszuständen betroffen sind. Seltener erfolgt die Verschreibung zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen.

Im Folgenden wird Opripramol im Hinblick auf verschiedene Aspekte diskutiert:

  • Wirkungsweise
  • Anwendungsgebiete
  • Einnahme und Dosierung
  • Wechselwirkungen
  • Nebenwirkungen
  • Folgen einer Überdosierung
  • Absetzen nach Ende der Therapie

Betroffene, die unter Angststörungen leiden und deren Angehörige können die Beratung und Hilfe folgender Organisationen in Anspruch nehmen:
UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH
Tempelhofer Weg 62
12347 Berlin
Tel.: 030 – 20253177
E-Mail: info@patientenberatung.de

Angst-Hilfe e.V.
MASH/DASH/daz
Bayerstr. 77a
80335 München
Mail: info(at)angstselbsthilfe.de
Telefon: +49 89 51 55 53 0 (Mo 11-13 Uhr und Do 15-18 Uhr)

psychenet (Netz psychische Gesundheit)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
E-Mail: info@uke.de
Telefon: +49 (0) 40 7410 – 0

Opipramol: Wirkstoff gegen Angststörungen und Depressionen.

Opipramol: Wirkstoff gegen Angststörungen und Depressionen.(#01)

Daten und Fakten zum Thema Angststörung

Bezogen auf die gesamte Lebenszeit leidet jeder Vierte mindestens einmal an einer Angststörung:

  • 12,5 Prozent leiden unter extremer Schüchternheit
  • 12,1 Prozent leiden unter Angst vor Tieren oder Dingen
  • 6,1 Prozent leiden unter Panikattacken
  • 5,7 Prozent leiden unter Beklemmungsgefühlen

In Deutschland sind mehr als 10 Millionen Menschen von krankhafter Angst betroffen. 15 Prozent aller Erwachsenen waren deshalb 2010 in ärztlicher Behandlung. Damit ist die Angststörung die am häufigsten diagnostizierte psychische Erkrankung.

Wirkung von Opipramol

Opipramol hat einen angstlösenden und beruhigenden Effekt und hellt darüber hinaus die Stimmung leicht auf. Anders als die ähnlichen Trizyklika hemmt der Wirkstoff nicht die Wiederaufnahme von Neurotransmittern wie Serotonin oder Noradrenalin, sondern bindet sich an bestimmte Rezeptoren, die Sigma-1-Rezeptoren, im Gehirn an. Opipramol wirkt ausgleichend auf das Zusammenspiel der Neurotransmitter Dopamin, Histamin, Serotonin, und Adrenalin. Die genaue Wirkungsweise ist noch nicht vollständig geklärt.

Fest steht jedoch, dass verschiedene Bindungsstellen innerhalb der zentralen Nervensystems besetzt werden. Dadurch wirkt Opipramol besonders zu Beginn der Therapie stark sedierend. Drei Stunden nach Einnahme wird die höchste Konzentration des Wirkstoffs im Blut erreicht. Verstoffwechselt wird der Arzneistoff in der Leber und nach ungefähr sechs spätestens nach elf Stunden haben die Nieren die Hälfte des Wirkstoffs ausgeschieden.

Der beruhigende Effekt tritt direkt nach der ersten Einnahme ein. Mit einem angstlösenden und stimmungsaufhellenden Effekt ist jedoch erst nach ungefähr zwei bis fünf Wochen zu rechnen.

Darüber hinaus findet das Mittel im Rahmen des „off-label-use“ Anwendung bei der Behandlung anderer psychischer Erkrankungen. Indikationen sind somit: Schlafstoerungen

Darüber hinaus findet das Mittel im Rahmen des „off-label-use“ Anwendung bei der Behandlung anderer psychischer Erkrankungen. Indikationen sind somit: Schlafstoerungen. (#02)

Anwendungsgebiete von Opipramol

In Deutschland ist der Wirkstoff für die Behandlung von Angststörungen und psychosomatischen Erkrankungen zugelassen. Die Angststörung muss generalisiert sein, sich also nicht nur auf bestimmte Situationen oder Objekte beziehen. Psychosomatische Beschwerden sind körperliche Leiden, für die es keine organische Ursache gibt.

Darüber hinaus findet das Mittel im Rahmen des „off-label-use“ Anwendung bei der Behandlung anderer psychischer Erkrankungen. Indikationen sind somit:

  • Angststörungen
  • Spannungszustände
  • Schlafstörungen
  • Nervosität
  • psychosomatische Erkrankungen
  • leichte Depressionen

Aufgrund der sedierenden Eigenschaften wird Opipramol häufig als Nachtmedikation genutzt.

Opipramol: Einnahme und Dosierung

Am häufigsten wird Opipramol in Form von Tabletten verabreicht. Seltener wird das Mittel in Form von Dragees oder Tropfen verschrieben. Die Dosis wird vom behandelnden Arzt festgelegt und bewegt sich in der Regel in folgendem Rahmen:

  • ein- bis dreimal täglich 50 bis 100 Milligramm
  • Tageshöchstdosis: 300 Milligramm
  • höchste Dosis am Abend

Die Einnahme muss mindestens zwei Wochen lang kontinuierlich erfolgen, damit beurteilt werden kann, ob die gewünschte Wirkung eintritt. Es ist nötig, das Arzneimittel täglich und nicht nur anlassbezogen einzunehmen.

Wie andere Psychopharmaka wird auch Opipramol „eingeschlichen“, indem mit möglichst niedrigen Dosen begonnen wird. Unter ärztlicher Aufsicht erfolgt eine langsame Steigerung. Auf diese Weise gelingt es am besten, unerwünschte Effekte in Grenzen zu halten.

Am häufigsten wird Opipramol in Form von Tabletten verabreicht. Seltener wird das Mittel in Form von Dragees oder Tropfen verschrieben.

Am häufigsten wird Opipramol in Form von Tabletten verabreicht. Seltener wird das Mittel in Form von Dragees oder Tropfen verschrieben.(#03)

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Werden zusätzlich Medikamente verabreicht, die zentraldämpfend wirken, wie Schlaf- und Beruhigungsmittel kann es zu einer Verstärkung des Effekts kommen. Das gilt ebenfalls für die gleichzeitige Gabe von Arzneimitteln, die zu einem Anstieg des Serotoninspiegels führen. Aus diesem Grund ist die Kombination von Opipramol mit Antidepressiva, die einen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer enthalten, abzuwägen. Eine gleichzeitige Gabe von Psychopharmaka, die zu den MAO-Hemmern gehören, muss vermieden werden.

Außerdem ist die zeitgleiche Verabreichung von Medikamenten, die einen Einfluss auf den Herzrhythmus ausüben nur bei engmaschiger ärztlicher Kontrolle möglich.

Diese Einschränkung betrifft folgende Medikamenten-Gruppen:

  • Antihistaminika
  • Betablocker
  • einige Antibiotika
  • Malariamittel

Während der Therapie mit Opipramol sollte darüber hinaus auf Alkohol verzichtet werden, denn selbst nach moderatem Alkoholgenuss kann es zu Schwindel und Benommenheit kommen. Der Apotheker sollte auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Alkohol hinweisen und den Patienten eingehend beraten.

Sehr häufige Nebenwirkungen treten bei der Behandlung mit Opipramol nicht auf. Unter die häufig auftretenden Probleme fallen: Schwindel.

Sehr häufige Nebenwirkungen treten bei der Behandlung mit Opipramol nicht auf. Unter die häufig auftretenden Probleme fallen: Schwindel.(#05)

Opipramol: Nebenwirkungen

Unerwünschte Wirkungen werden in folgende Kategorien eingeteilt:

  • sehr häufig (bei mehr als zehn Prozent der Patienten)
  • häufig (bei einem bis zehn Prozent der Patienten)
  • gelegentlich (bei 0,1 bis einem Prozent der Patienten)
  • selten (bei 0,01 bis 0,1 Prozent der Patienten)

Sehr häufige Nebenwirkungen treten bei der Behandlung mit Opipramol nicht auf. Unter die häufig auftretenden Probleme fallen:

  • Benommenheit
  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Sehstörungen (vor allem zu Beginn der Therapie)

Gelegentlich treten folgende Probleme auf:

  • Gewichtszunahme
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Magenbeschwerden
  • Geschmackstörungen
  • Mundtrockenheit
  • Einschränkung der Libido
  • Potenzprobleme
  • Schwankungen des Blutdrucks
  • Herzrasen und Herzklopfen
  • Veränderungen des EKG
  • verstopfte Nase
  • Schlafstörungen
  • innere Unruhe
  • allergische Reaktionen wie Hautauschläge
  • Nesselsucht
  • Juckreiz
  • Ödeme

Selten werden die folgenden unerwünschten Wirkungen beobachtet:

  • Harnverhalt
  • übermäßiges Schwitzen
  • Verstopfung
  • erhöhter Blutdruck
  • Herzrhythmus-Störungen
  • Sehstörungen
  • erweiterte Pupillen
  • Tremor
  • Hautkribbeln
  • Kopfschmerzen

Es ist wichtig zu beachten, dass besonders Menschen, die unter einer Angststörung leiden, nach dem Lesen des Beipackzettels oder der Information durch den Apotheker vermuten, dass viele der genannten Gesundheitsprobleme eintreten. In diesem Fall entsteht ein negativer Placebo-Effekt, der sogenannte Nocebo-Effekt. Deshalb ist es nötig, dass der behandelnde Arzt versucht, eine übertriebene Angst vor unerwünschten Wirkungen zu verhindern. Treten diese tatsächlich auf, verschwinden sie meist drei bis vier Wochen nach Therapiebeginn.

Nach einer Überdosierung kann es zur Verstärkung der unerwünschten Wirkungen kommen. Es besteht die Gefahr, dass der Blutdruck absinkt, Bewusstseinsstörungen, Krämpfe oder Atemstörungen auftreten.

Nach einer Überdosierung kann es zur Verstärkung der unerwünschten Wirkungen kommen. Es besteht die Gefahr, dass der Blutdruck absinkt, Bewusstseinsstörungen, Krämpfe oder Atemstörungen auftreten.(#04)

Erfahrungen: Folgen einer Überdosierung

Nach einer Überdosierung kann es zur Verstärkung der unerwünschten Wirkungen kommen. Es besteht die Gefahr, dass der Blutdruck absinkt, Bewusstseinsstörungen, Krämpfe oder Atemstörungen auftreten. Bei einer Überdosierung sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden. Wurde versehentlich die Einnahme einer Dosis vergessen, darf zum nächsten Einnahme-Zeitpunkt auf keinen Fall die doppelte Dosis eingenommen werden. In diesem Fall sollte eine Weiterführung der Therapie mit der empfohlenen Einzeldosis erfolgen.

Opripramol absetzen nach Ende der Therapie

Das Absetzen des Medikaments erfolgt ähnlich wie das Herantasten an die passende Dosis zu Beginn der Therapie. In diesem Fall bezeichnet man die schrittweise Herabsetzung der Dosierung als „Aussschleichen“. Auf diese Weise wird in den meisten Fällen verhindert, dass es zu Problemen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder dem Wiederauftreten von Ängsten, Unruhezuständen und depressiven Verstimmungen kommt. Das Absetzen des Wirkstoffs sollte ausschließlich unter ärztlicher Begleitung und niemals eigenmächtig stattfinden.

Kontraindikationen von Opipramol

Der Wirkstoff kann bereits bei Kindern, die älter als sechs Jahre sind, eingesetzt werden. Auch bei älteren Patienten wurden gute Erfahrungen mit der Verträglichkeit gemacht, sofern nicht bestimmte Vorerkrankungen festzustellen waren:

  • Lebererkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Herzerkrankungen
  • verengter Magenausgang
  • Darmverschluss
  • Störung der Blutbildung
  • Vergrößerungen der Prostata
  • Reizleitungsstörungen
  • unbehandeltes Engwinkelglaukom

In der Schwangerschaft sollte Opipramol nicht eingenommen werden, da bisher nicht hinreichend erwiesen ist, dass eine Schädigung des ungeborenen Kindes ausgeschlossen werden kann. In der Stillzeit sollte das Mittel abgesetzt werden, denn es geht in die Muttermilch über. Ist eine Behandlung mit dem Wirkstoff zwingend erforderlich, muss die Mutter ihr Baby vorher abstillen.

Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass in der zweiten Behandlungswoche eine gesteigerte Suizidneigung vorhanden ist.

Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass in der zweiten Behandlungswoche eine gesteigerte Suizidneigung vorhanden ist. (#06)

Gefahr der Verschlimmerung von Depressionen

Besonders zu Beginn der Behandlung entfaltet der Wirkstoff eine dämpfende Wirkungsweise. Deshalb kommt es in der ersten Woche teilweise zu einer negativen Beeinflussung der Stimmung und zu einem verminderten Antrieb. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass in der zweiten Behandlungswoche eine gesteigerte Suizidneigung vorhanden ist. Die stimmungsaufhellende Wirkung tritt frühestens nach zwei, manchmal erst nach fünf Wochen ein.

Zu Beginn der Behandlung sollte der Arzt deshalb den Patienten intensiv betreuen, um die Gefahr, dass Selbstmordabsichten in die Tat umgesetzt werden, zu vermeiden. Darüber hinaus sollte der Patient darüber aufgeklärt werden, dass eine Teilnahme am Straßenverkehr und die Bedienung von Maschinen nicht möglich sind, wenn auf die Arzneimittelgabe mit Benommenheit, Herzrasen und Schwindel reagiert wird.

Opipramol: Wirkstoff zur Behandlung von Angsterkrankungen

Chemisch ist der Wirkstoff den anderen Trizyklika ähnlich, dennoch wird der der Arzneistoff weniger den Antidepressiva als den angstlösenden Medikamenten zugeordnet. In der Angsttherapie werden ansonsten häufig Bezodiazepine wie Diazepan eingesetzt, die weniger unerwünschte Wirkungen verursachen. Der Vorteil von Opipramol ist jedoch, dass damit keine Gefahr der Abhängigkeit verbunden ist. Allerdings setzt der angstlösende Effekt später ein als bei den Bezodiazepinen. Für viele Patienten ist der Wirkstoff jedoch ein wichtiger Baustein zur Behandlung von Angststörungen. Eine begleitende Verhaltenstherapie trägt dazu bei, dass ein nachhaltiger Behandlungserfolg erzielt wird.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild:  Aaron Amat-#01:  Photographee.eu  -#02: TheVisualsYouNeed  -#03: Roman Samborskyi -#04: Nattakorn_Maneerat -#05: 9nong- #06: _Benoit Daoust

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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