Neurodermitis im Gesicht: Ursachen, Symptome & Behandlung

Neurodermitis tritt besonders häufig im Gesicht auf und belastet die Betroffenen meist sehr. Lesen Sie hier alles Wissenswerte über die Hautkrankheit und verschaffen Sie sich mit diesen 10 einfachen Tipps Linderung.

Was ist Neurodermitis im Gesicht und wie entsteht sie?

Neurodermitis wird in der Medizin auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt und ist die Bezeichnung für eine nicht ansteckende, chronische Hautkrankheit, die in Schüben verläuft. Sie tritt sehr häufig auf und betrifft etwa 10 % der Weltbevölkerung. Insbesondere Menschen in westlichen Industrieländern oder sehr rauen Klimazonen sind gefährdet. Neurodermitis im Gesicht betrifft etwa 10 bis 20 % aller Kinder und etwa 2 bis 5 % aller Erwachsenen und ist vererbbar. Vor allem Babys und Kleinkinder leiden häufig unter der Hauterkrankung. In den vergangenen Jahren wurde ein starker Anstieg an Erkrankten verzeichnet.

Während den inaktiven Phasen ist die Haut der Patienten sehr trocken und gereizt, neigt zu Schuppen und kann fleckig werden. Tritt ein akuter Schub auf, entzündet sich die Haut und es bilden sich starke Rötungen und Ekzeme, die unangenehm jucken. Typische Regionen für eine Neurodermitis im Gesicht sind die Stirn, Wangen, Augen- und Mundpartien sowie die Regionen hinter den Ohren.

Da ein atopisches Ekzem chronisch ist und immer wieder kommt, leiden Betroffene oftmals sehr. Die Entzündungen der Haut sind unangenehm und können das Leben der Patienten teilweise stark einschränken. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich gut zu informieren und alle nötigen Schritte zu unternehmen, die die inaktiven Phasen verlängern und in akuten, aufflammenden Phasen Abhilfe verschaffen.

Leider gibt es noch keine nachgewiesene Ursache für Neurodermitis. Wie sich die Haut jedoch entzündet, ist bekannt:

  • Oftmals steckt ein vererbter Fillagrinmangel hinter einer Neurodermitis im Gesicht. Fillagrin ist ein Protein, das der Haut Struktur und Widerstandskraft verleiht. Ist dieses nicht ausreichend vorhanden, ist die Haut anfälliger für Keime, Bakterien und Entzündungen.
  • Auch ein unzureichender epidermaler Lipidstoffwechsel, also Fettstoffwechsel der Haut, begünstigt das Eindringen von Erregern und Mikroorganismen und somit Entzündungen und Ekzeme.

Da die Haut bei Neurodermitis stark juckt, entsteht schnell ein Teufelskreis. Die Barriere der Haut ist ohnehin schon geschwächt und es kommt zu Infektionen und juckenden Ekzemen auf Grund einer Immunreaktion. Der Patient kratzt, was die Hautbarriere weiter schädigt, neue Infektionen begünstigt und die Heilung verzögert. Und so geht alles von vorne los. Um dieser Spirale zu entkommen und den Schub schneller zu überstehen, sollte man die Symptome gut kennen und diese nach bester Möglichkeit lindern.

Der Verlauf ist bei Erwachsenen in der Regel schwerer als bei Kindern. Kinder hingegen können jedoch schon als Säuglinge betroffen sein.

Der Verlauf ist bei Erwachsenen in der Regel schwerer als bei Kindern. Kinder hingegen können jedoch schon als Säuglinge betroffen sein.(#01)

Symptome einer Neurodermitis im Gesicht

Der Verlauf ist bei Erwachsenen in der Regel schwerer als bei Kindern. Kinder hingegen können jedoch schon als Säuglinge betroffen sein. Die meisten Erstausbrüche treten vor dem zweiten Lebensjahr auf. Doch ob und wann ein Schub das erste mal auftritt, kann niemand sagen. Auch im Erwachsenenalter kann ein Erstausbruch stattfinden. Zum Beispiel, wenn der Patient einen Beruf ausübt, in dem er viel mit Schadstoffen oder trockener und heißer Luft zu tun hat. Auch kann sich eine Neurodermitis, besonders bei Kindern, im Laufe der Jahre wieder zurückbilden.

Die Art und Stärke der Symptome kann je nach Person, Situation, Jahreszeit und auch Schub variieren. Wie der nächste Ausbruch genau verlaufen wird, weiß der Neurodermitiker erst, wenn es soweit ist. Auch ist es wichtig zu beachten, dass besonders bei Verdacht auf einen Erstausbruch der Hautkrankheit ein Arzt zurate gezogen wird. Denn trockene Haut und Entzündungen alleine müssen noch keine Neurodermitis sein. Es gibt jedoch einige typische Symptome atopischer Ekzeme, die bei Bestätigung des Verdachts eine besondere Behandlung erfordern. Diese sind:

Körperliche Symptome:

  • sehr trockene bis hin zu extrem trockener Haut
  • starke Rötungen und Ekzeme, die sich hartnäckig halten
  • heftiger Juckreiz
  • schuppende Haut
  • Verdickung und Einreisen der Haut
  • Symptome verlaufen in Schüben und kehren immer wieder
  • in akuten Fällen können leichte Blutungen der Haut auftreten
  • geschwollene, unebene Gesichtshaut
  • selten kommt es auch zur sogenannten Purigoform, bei der die Neurodermitiker unter stark juckenden und quälenden Purigoknötchen leiden

Psychische Symptome:

Da eine Neurodermitis im Gesicht zu den chronischen Erkrankungen zählt, leiden die Betroffenen oftmals auch unter psychischen Symptomen. Insbesondere bei schweren und häufigen Schüben können die Patienten mit folgenden Belastungen konfrontiert werden:

  • Schlafmangel, da der Juckreiz nachts oft zunimmt
  • verringertes Selbstwertgefühl bis hin zu Depressionen
  • Isolation und Rückzug auf Grund von Schamgefühlen
  • Stress
  • Mobbing
  • Beziehungsprobleme, da sich Neurodermitiker oft unattraktiv fühlen

Wer stark unter seinen Schüben leidet, sollte sich Hilfe suchen. Ein Gespräch mit einem Arzt oder eine Therapie können helfen, das eigene Selbstwertgefühl zu steigern und trotz starker Symptome an allen Veranstaltungen teilzunehmen, an denen man gerne teilnehmen möchte. Isolation führt nur zu weiterem Stress und schränkt die Lebensqualität massiv ein, was die Schübe sogar begünstigen kann.

Auch das Gefühl, nicht mit der Krankheit alleine zu sein, kann enorm helfen. Neurodermitiker finden auf folgender Seite zahlreiche interessante Informationen und können sich mit anderen Betroffenen im Forum austauschen:

Es gibt zahlreiche Faktoren, die einen Schub auslösen und verschlimmern können. Diese zu kennen hilft die Triggerfaktoren zu vermeiden und so die inaktiven Phasen zu verlängern.

Es gibt zahlreiche Faktoren, die einen Schub auslösen und verschlimmern können. Diese zu kennen hilft die Triggerfaktoren zu vermeiden und so die inaktiven Phasen zu verlängern. (#02)

Neurodermitis im Gesicht: Ursachen und Triggerfaktoren

Es gibt zahlreiche Faktoren, die einen Schub auslösen und verschlimmern können. Diese zu kennen hilft die Triggerfaktoren zu vermeiden und so die inaktiven Phasen zu verlängern. Denn auch wenn der genaue Auslöser nicht eindeutig identifiziert ist, so gibt es Ursachen, die sich erwiesenermaßen negativ auf eine Neurodermitis im Gesicht auswirken.

Die Triggerfaktoren sind bei jedem Patienten unterschiedlich. Es ist deshalb ratsam, sich selbst zu beobachten, um möglichst genau herauszufinden, welche Ursachen sich negativ auf den eigenen Krankheitsverlauf auswirken. So kann der Schub abgeschwächt und die Lebensqualität des Betroffenen deutlich verbessert werden.

Ursachen für einen Schub können sein:

  • Stress
  • Schlafmangel
  • gewisse Nahrungsmittel (insbesondere Milchprodukte, Nüsse und Schalentiere)
  • Alkohol
  • Tabak
  • Waschmittel
  • Shampoo und Hautpflegeprodukte mit Duft- und Farbstoffen
  • Schweiß
  • Formaldehyd
  • Arbeit, die die Haut strapaziert (z.B. durch Giftstoffe, heiße Luft und starkes Schwitzen)
  • raues Klima
  • trockene Heizungsluft
  • Schadstoffe und Umweltbelastungen
  • kratzige oder raue Kleidung, wie z.B. Wolle
  • allergene Stoffe und Triggerfaktoren wie Cremes mit Duftstoffen, Pollen, Tierhaare und Staub

Behandlungsmöglichkeiten einer Neurodermitis im Gesicht

Auch wenn sich eine Neurodermitis zurückbilden kann, so zählt sie leider zu den unheilbaren Erkrankungen. Die einzigen Möglichkeiten bestehen darin, die Symptome zu lindern und den Ausbruch eines erneuten Schubs möglichst lange herauszuzögern. Sowohl der Arzt, als auch der Betroffene selbst können die Folgen atopischer Ekzeme behandeln und diesen gezielt vorbeugen.

Video: Hydrocortison bei entzündlichen, allergischen oder juckenden Hauterkrankungen

Hydrocortison

Ein Hautarzt kann Hydrocortison verschreiben, was allerdings wegen zahlreicher Nebenwirkungen keine Dauerlösung darstellt. In akuten Fällen kann so jedoch schnell und effektiv eine Linderung der Entzündungen und des Juckreizes erzielt werden.

Kortikosteroide

Sogenannte Kortikosteroide sind ebenfalls sehr hilfreich bei heftigen Schüben. Doch auch sie sind nicht für eine Langzeittherapie geeignet, da sie auf Dauer der Gesundheit schaden können. Die Behandlung verliert mit der Zeit zudem an Wirkung, was den Kosten-Nutzen-Faktor zusätzlich verringert.

Video: Erfolgreicher Test: Wirkstoff Dupilumab gegen Neurodermitis erfolgreich getestet

Immuntherapeutikum Dupilumab

Relativ neu ist Dupilumab, ein sogenannter monoklonaler Antikörper. Seit 2017 ist die Behandlung mit dem Präparat für Erwachsene mit einer mittelschweren bis starken Neurodermitis zugelassen. Dupilumab wird gespritzt und hemmt entzündungsfördernde Botenstoffe. So kann in extremen Fällen schnell Entlastung durch eine Linderung der Symptome erreicht werden.

Lichttherapie

Bei der Lichttherapie werden die entsprechenden Stellen mit UV-Licht in einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt. Dieses hemmt die Entzündungen und beeinflusst die Zellteilung. In speziellen Kabinen wird der Patient zwei- bis sechsmal pro Woche behandelt. Die Behandlungen dauern meist nur eine bis maximal ein paar Minuten.

Bei der Lichttherapie werden die entsprechenden Stellen mit UV-Licht in einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt.

Bei der Lichttherapie werden die entsprechenden Stellen mit UV-Licht in einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt.(#03)

Emolliens

Emolliens sind Mittel, die der Haut Feuchtigkeit verleihen und diese dadurch weich und geschmeidig machen. Sie enthalten vor allem Omega-6-Fettsäuren aus Traubenkernöl und Licochalcon A, das aus der Süßholzwurzel gewonnen wird. Ersteres stärkt die Schutzbarriere der Haut und wirkt wohltuend, Letzteres wirkt entzündungshemmend und antioxidativ. Bei einem Schub mit trockener, rissiger und entzündeter Haut sind Emolliens daher ein wahrer Segen für die Betroffenen.

Wer unter einer Neurodermitis im Gesicht leidet, sollte täglich eine entsprechende Creme verwenden, um der Haut die fehlende Feuchtigkeit und Geschmeidigkeit zu geben, die sie sich selbst nicht geben kann. Auch in inaktiven Phasen kann so die Gesichtshaut entlastet und ein Schub hinausgezögert werden.

Bade- und Duschzusätze die Feuchtigkeit spenden

Beim Baden und Duschen regelmäßig feuchtigkeitsspendende Zusätze und Pflegeprodukte zu verwenden ist ebenfalls ratsam. Besonders das heiße Wasser und das anschließende Abtrocknen können die Haut strapazieren und einen Schub begünstigen. Der Haut bereits beim Baden oder Duschen etwas Gutes zu tun, ist also angebracht und wohltuend.

Video: Neurodermitis Gesicht – 6 Tipps zur Behandlung

10 praktische Tipps bei Neurodermitis im Gesicht

  1. Ein Aufenthalt am Meer oder in den Bergen wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Ein Urlaub in einer neurodermitisfreundlichen Gegend wie der Nord- und Ostseeregion oder in einem Gebirge hat also sowohl auf die Seele als auch den Körper einen entspannenden Effekt. Auch eine Kur in besagten Regionen ist eine tolle Möglichkeit, Stress zu reduzieren und das Klima für die Heilung zu nutzen.
  2. Tagebuch schreiben kann helfen die eigenen Trigger herauszufinden und diese besser zu vermeiden. Essen, Waschmittel, Kosmetika, Ausflüge, Stresslevel: Notieren Sie alles, was Ihnen wichtig erscheint.
  3. Verwenden Sie weiche Kleidung und Handtücher und vermeiden sie Duschbürsten oder raue Schwämme. Sanfte Reinigungsmethoden der Haut sind ideal.
  4. Nächtliches Schwitzen und warme Temperaturen können den Juckreiz unerträglich machen. Ein eher kühles Raumklima in der Nacht sorgt bei Betroffenen daher für einen besseren Schlaf.
  5. Die juckenden Stellen mit einem kühlen Lappen abzutupfen ist besser, als zu kratzen. Das Tupfen beschädigt die Haut nicht und die Kälte hemmt den Juckreiz.
  6. Verwenden Sie sanftes und natürliches Make-up, das kaum Duftstoffe und keine starken Chemikalien enthält. Lassen Sie sich bei einem Hautarzt oder einer Kosmetikerin beraten, was für Sie geeignet ist.
  7. Stress kann einen Schub auslösen. Lernen Sie Entspannungstechniken wie Meditation, autogenes Training, Yoga oder Chigong und verringern Sie die Schubquote und die Intensität der Ausbrüche.
  8. Bewahren Sie Ihre Salben und Cremes im Kühlschrank auf. Tragen Sie sie gekühlt auf, sind die Pflegeprodukte noch angenehmer und bekämpfen den Juckreiz noch effektiver.
  9. Fragen Sie Ihren Arzt nach geeigneten und ungeeigneten Lebensmitteln und erstellen Sie sich einen unterstützenden Ernährungsplan. Verzichten Sie zum Beispiel auf Milchprodukte und Alkohol und verwenden Sie entzündungshemmende Nahrungsmittel wie Knoblauch, grünes Blattgemüse und Kokosnussöl.
  10. Cremen Sie sich nach dem Baden und Duschen ein, halten Sie die Fingernägel stets kurz und verwenden Sie natürliche und sanfte Shampoos und Hygiene- und Kosmetikprodukte. Im besten Falle spezielle, für Menschen mit Neurodermitis geeignete Produkte, die unterstützend wirken. Die richtige Körperpflege ist das A und O bei einem atopischen Ekzem.

Video: Neurodermitis ist heilbar OHNE Medikamente

5 Fakten über Neurodermitis

  1. Leiden oder litten beide Elternteile an Neurodermitis, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 60 bis 80 %, dass das Kind ebenfalls erkrankt.
  2. Frauen bekommen die Hautkrankheit häufiger als Männer.
  3. Mit steigendem Alter der Schwangeren steigt auch das Risiko für das ungeborene Kind, eines Tages Neurodermitis zu bekommen.
  4. Sie gilt als häufigste chronische Hautkrankheit.
  5. Neurodermitis ist meist genetisch bedingt.

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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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