Neurodermitis auf der Kopfhaut: Ursachen, Symptome & Behandlung

Es juckt, es brennt, es schuppt. Neurodermitis auf der Kopfhaut kann für Betroffene sehr anstrengend und unangenehm werden. Was die Krankheit ausmacht und welche Tipps effektiv helfen, erfahren Sie hier.

Was ist Neurodermitis auf der Kopfhaut und wie entsteht sie?

Als Neurodermitis, atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis bezeichnet man eine chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit. Sie tritt meist schon im Säuglings- oder Kindesalter auf und kann alle Altersklassen betreffen. Die Neurodermitis gilt als häufigste Hautkrankheit und verläuft in zwei Phasen. Den inaktiven Phasen und den sogenannten Schüben. In den inaktiven Phasen ist die Hautschicht trocken, schuppig und empfindlich. Während eines Schubs flammen mittelstarke bis extreme Rötungen und Ekzeme auf, es bilden sich Risse und ein quälender Juckreiz tritt ein.

Das liegt daran, dass der Fettstoffwechsel der Epidermis gestört ist, oder ein Mangel des Proteins Fillagrin vorliegt. Dadurch ist sie weniger geschmeidig, verliert zu viel Feuchtigkeit, reißt ein und lässt so Erreger und Keime leichter unter die Haut eindringen. Fillagrin ist zudem für die Verhornung und Stabilität der Hautschicht zuständig. Ein Mangel dieses Proteins hat zur Folge, dass sie weniger geschützt ist und es einfacher zu Infektionen kommen kann. Das Immunsystem reagiert mit heftiger Abwehr und setzt Botenstoffe frei, die Entzündungen hervorrufen. So entstehen die typischen Ekzeme, die in Form von roten Flecken zu sehen sind.

Die genauen Ursachen für die Hautstörungen, die ein atopisches Ekzem hervorrufen, sind leider noch nicht bekannt. Es steht jedoch fest, dass der gestörte Lipidstoffwechsel und der Fillagrinmangel vererbbar sind. Leiden beide Elternteile an Neurodermitis, besteht eine Chance von etwa 60 bis 80 %, dass das Kind ebenfalls unter der Erkrankung leiden wird. Frauen sind dabei anfälliger als Männer.

Besonders häufig betroffen ist die Kopfhaut, da diese durch Haarpflege, Färben und Föhnen meist sehr strapaziert wird. Chemische Pflegeprodukte, heiße Luft und mechanische Reizungen wie Kämmen, Abtrocknen und Frisieren sind Stress für die empfindliche Kopfhaut, was bei Neurodermitikern besonders deutlich wird. Schon die alltägliche Pflege kann zum Schub führen, was die Betroffenen meist sehr einschränkt. Eine besondere Vorsicht und Pflege ist daher erforderlich.

Neurodermitis auf der Kopfhaut juckt meist heftig, weshalb die Patienten häufig kratzen. Da die Haut jedoch sowieso schon sehr empfindlich und beschädigt ist, kommt es zu weiteren Verletzungen und im schlimmsten Fall auch zu Infektionen. So wird die Heilung verzögert und ein Schub kann sich durch diesen Kreislauf sehr lange hinziehen. Es ist also wichtig, die genauen Symptome einer Neurodermitis zu kennen, um sie von einem gewöhnlichem Jucken des Kopfes unterscheiden und sich dadurch entsprechend verhalten zu können. Diese Symptome sind typisch für Neurodermitis auf der Kopfhaut:

Körperlich:

  • mittelstarke bis extreme Rötungen und ekzeme
  • Verhornungen und Risse in der Hautschicht (diese können nässen)
  • starkes Brennen
  • quälender Juckreiz
  • trockene Haut
  • Schuppen
  • unebenes, spannendes und geschwollenes Hautbild
  • in heftigen Fällen auch Knötchen oder Pusteln
  • Krustenbildung

Psychisch:

Durch das ständige Wiederkehren der Schübe und Symptome leiden Betroffene meist auch psychisch sehr stark. Diese mentalen Auswirkungen kann eine Neurodermitis auf der Kopfhaut haben:

  • Schlafstörungen auf Grund des starken Juckreizes
  • Isolation und Depressionen
  • schlechtes Selbstwertgefühl
  • Schamgefühle und sich Verstecken durch Tragen von Mützen, selbst bei hohen Temperaturen
  • Mobbing (zum Beispiel der verletzende Vorwurf, der Betroffene sei ungepflegt, obwohl er nichts für die Schuppen und den Ausschlag kann)
  • Stress
  • Frust, da die Auswahl an geeigneten Styling- und Pflegeprodukten oftmals sehr begrenzt ist

Wird die Hautkrankheit zur seelischen Belastung, sollte Hilfe gesucht werden. Eine Psychotherapie, eine Selbsthilfegruppe oder der Austausch mit anderen Neurodermitikern können helfen, sich nicht mehr alleine mit der Hautkrankheit zu fühlen und besser mit den körperlichen und psychischen Symptomen zurecht zu kommen. Das kann die Lebensqualität enorm steigern und Stress reduzieren, was sich sogar positiv auf die Häufigkeit und Intensität der Schübe auswirken kann.

Wie entsteht Neurodermitis? – NetDoktor.de

Folgende Webseiten und Adressen können für Betroffene, die sich weiter informieren oder Hilfe und Austausch suchen möchten, nützlich sein:

  • Eine Beratung über die Krankheit und Therapiemöglichkeiten sowie Kontakt zu anderen Patienten finden Neurodermitiker beim Bundesverband Neurodermitis e.V.:

Bundesverband Neurodermitis e.V.
Selbsthilfeorganisation für Neurodermitis, Asthma, Allergie,
Psoriasis, Umwelterkrankungen und Urtikaria
Heerstraße 189-191
56154 Boppard
Tel.: 06742 87 13 -0
Fax: 06742 87 13-20
www.neurodermitis.net
info@neurodermitis.net

  • Der Deutsche Neurodermitis Bund möchte die Lebensqualität der Betroffenen verbessern, in dem er aufklärt und wertvolle Tipps gibt:
    https://www.neurodermitis-bund.de/
  • Patienten, die psychisch sehr unter ihrer Erkrankung leiden, können auf der Webseite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nach einem passenden Psychotherapeuten in der Nähe suchen, der von der Krankenkasse bezahlt wird:
    https://www.kbv.de/html/arztsuche.php

Welche Triggerfaktoren gibt es bei Neurodermitis auf der Kopfhaut?

Die Kopfhautprobleme bei einer atopischen Dermatitis kehren immer wieder zurück. Es gibt gewisse Trigger, also Auslöser, die einen Schub begünstigen und einen Ausbruch zur Folge haben können, der eventuell hätte verhindert werden können. Dazu muss man diese jedoch kennen, um sie konsequent zu meiden oder ihnen zumindest nicht öfter ausgesetzt zu sein, als nötig. Triggerfaktoren können sein:

  • harte Bürsten und Kämme
  • Shampoos und Haarpflegeprodukte mit starken Duft- und Farbstoffen
  • heiße und trockene, aber auch kalte und raue Luft
  • starkes Schwitzen durch das Tragen von Mützen
  • häufiges Haarewaschen, Glätten und Föhnen
  • Umweltgifte
  • psychische Belastungen wie Stress, Mobbing, Depressionen oder Angstzustände
  • Schlafmangel
  • gewisse Lebensmittel (insbesondere Milchprodukte, Nüsse und Schalentiere)
  • Alkohol
  • Tabak
  • allergene Stoffe wie Pollen, Nahrungsmittel, Tierhaare und Pflegeprodukte mit starken chemischen Inhaltsstoffen
Auch Schlafmangel kann ein Triggerfaktor für Neurodermitis sein. (#01)

Auch Schlafmangel kann ein Triggerfaktor für Neurodermitis sein. (#01)

Eine Neurodermitis am Kopf ist besonders belastend für die Patienten, da dieser oftmals Triggern wie Sonne, Shampoo oder Bürsten ausgesetzt ist, die sich nicht immer vermeiden lassen. Durch die kleinen Öffnungen an den Haarwurzeln haben Keime und Erreger zusätzlich leichtes Spiel in die Epidermis einzudringen und einen Schub auszulösen. Es ist deshalb sehr wichtig, neurodermitisfreundliche Pflegeprodukte zu wählen und die Kopfhaut sanft zu reinigen und sich vorsichtig zu kämmen. Auch sollten Mützen getragen werden, die atmungsaktiv sind und keine reizenden Stoffe wie Wolle oder Polyester enthalten. Letzteres ist zwar angenehm weich, regt jedoch zu vermehrter Schweißbildung an, was bei einer Neurodermitis kontraproduktiv ist.

Behandlungsmöglichkeiten einer Neurodermitis auf der Kopfhaut

Es ist ärgerlich, doch eine Neurodermitis ist bisher leider nicht heilbar. Eine richtige Behandlung der Kopfhautprobleme mit dauerhaftem Effekt gibt es also nicht. Die Symptome können jedoch gelindert werden. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten, die der Dermatologe und auch der Betroffene selbst in Betracht ziehen können. Juckreiz, ekzeme und Schuppen lassen dadurch schneller nach.
Das Tückische bei einer Neurodermitis auf der Kopfhaut ist jedoch, dass durch die Haare eine Behandlung mit Salben und Cremes meistens kompliziert ist. Die entzündeten Stellen sind schwerer erreichbar und die Pflege wird dadurch zur Herausforderung. Eine Basispflege mit Cremes ist jedoch oftmals unerlässlich. Zur Freude aller Betroffenen gibt es noch weitere und einfachere Möglichkeiten, ein atopisches Ekzem auf dem Kopf zu behandeln.

Feuchtigkeitsspendende Shampoos

Während eines Schubs, doch auch in den inaktiven Phasen, sollte zur Unterstützung der trockenen Haut ein feuchtigkeitsspendendes Shampoo verwendet werden. Es hilft, die Hautschicht geschmeidiger zu machen und schützt vor Rissen, in die Bakterien, Pilze und Mikroben besonders leicht eindringen können. Außerdem tut es gut und mindert das Spannen der Epidermis und den quälenden Juckreiz.

Rückfettende, medizinische Ölbäder

Wer gerne badet und dabei auch hin und wieder den Kopf unter Wasser taucht, kann rückfettende Ölbäder verwenden. Diese versorgen die strapazierte Epidermis mit Fett, was bei einer Neurodermitis zu wenig vorhanden ist. Das kann zu einem deutlichen Rückgang der Symptome führen. Auch beim Duschen können diese medizinischen Badezusätze eine Wohltat sein.

Kortison

Es gibt Salben, Tabletten und auch Lösungen mit Kortison, die der Arzt verschreiben oder verabreichen kann, wenn der Patient unter einem starken Schub leidet und der Juckreiz unerträglich wird. Da der Wirkstoff jedoch heftige Nebenwirkungen haben und bei einer Langzeitanwendung gesundheitsschädlich werden kann, ist Kortison keine Lösung für eine dauerhafte Behandlung. Im Notfall erreicht der Patient damit jedoch eine schnelle Linderung. Kortisonhaltige Präparate sollten nur genutzt werden, wenn der Dermatologe zuvor seine Zustimmung gegeben hat.

Hausmittel

Auch Hausmittel können bei Neurodermitis auf der Kopfhaut helfen. Hierzu zählt auch die Ernährung, die sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken kann. Ein Arzt oder Ernährungsberater kann ausführlich darüber informieren, welche Lebensmittel und Rezepte geeignet sind und welche eher gemieden werden sollten. Eine gute Idee sind jedoch Nahrungsmittel mit vielen Antioxidantien, da sie entzündliche Prozesse verringern und sogar stoppen können. Grünes Blattgemüse, Knoblauch, Kokosöl und Lebensmittel mit viel Vitamin C wirken unterstützend.

Ein besonders wertvolles Hausmittel ist der Manuka-Honig. Er ist eines der stärksten natürlichen Antibiotika, die es gibt. Auch wenn Honig stark klebt, kann er desinfizieren, die Haut nähren und nach einer möglichst langen Einwirkzeit einfach mit einem milden und pflegenden Shampoo ausgewaschen werden.

Kokosöl ist stark antibakteriell und entzündungshemmend. Außerdem fettet es die trockene Epidermis und macht sie wunderbar geschmeidig. Dieses gesundheitsfördernde Hausmittel kann bei einer atopischen Dermatitis auf der Kopfhaut also sehr hilfreich sein. (#02)

Kokosöl ist stark antibakteriell und entzündungshemmend. Außerdem fettet es die trockene Epidermis und macht sie wunderbar geschmeidig. Dieses gesundheitsfördernde Hausmittel kann bei einer atopischen Dermatitis auf der Kopfhaut also sehr hilfreich sein. (#02)

10 Tipps bei Neurodermitis auf der Kopfhaut

  1. Waschen Sie Ihre Haare nicht zu kalt und nicht zu heiß. Lauwarmes Wasser ist am sanftesten und irritiert somit am wenigsten.
  2. Lassen Sie pflegende Shampoos einwirken und spülen Sie sie nicht sofort aus. So haben die pflegenden Inhaltsstoffe genug zeit, sich voll zu entfalten.
  3. Duschen Sie maximal einmal pro Tag, da durch zu viel Wasser und übertriebene Hygiene die Hautbarriere zusätzlich geschwächt wird.
  4. Lassen Sie die Haare an der Luft trocknen und verwenden Sie keine Glätteisen oder Lockenstäbe. Nutzen sie alternative Frisiermethoden ohne Hitze.
  5. Verzichten Sie bestenfalls auf das Haare färben, da Haarfarben aggressive Chemikalien enthalten. Möchten Sie dennoch färben, nutzen Sie bevorzugt die Pflanzenhaarfarbe Henna, die in verschiedenen Farbtönen erhältlich ist.
  6. Kratzen Sie, wenn möglich, nicht an Ihrer Kopfhaut. Halten Sie den Juckreiz nicht mehr aus, können Sie ein pflegendes Öl auftragen und die Kopfhaut massieren. Das lindert das Jucken und pflegt gleichzeitig die strapazierte Haut.
  7. Tragen Sie Mützen und andere Kopfbedeckungen nur, wenn Ihnen kalt ist oder Sie sich vor der Sonne schützen müssen. Aus modischen Gründen sollten Sie lieber nicht zu diesen Accessoires greifen, da die Kopfhaut durch den dichten Haarwuchs ohnehin schon ein geeignetes feucht-warmes Klima für Mikroben darstellt, was durch das Schwitzen unter einer Mütze begünstigt wird.
  8. Sorgen Sie für ausreichend Entspannung, da Stress einen Schub auslösen und verschlimmern kann. Yoga, Meditation, Spaziergänge in der Natur oder ein achtsames Innehalten in der Mittagspause und im Alltag können für mehr innere Ruhe sorgen.
  9. Verbringen Sie möglichst viel Zeit außerhalb von Städten. Die Natur hat ein gesundes und schadstoffarmes Klima. Besonders gut für Neurodermitiker sind Berge und Meer, da die Luft hier besonders rein und am Meer zusätzlich salzhaltig ist, was einen desinfizierenden Effekt hat. Ein Urlaub in besagten Regionen ist also sinnvoller, als ein Städtetrip.
  10. Lassen Sie Ihre Haustiere nicht mit im Bett schlafen und entfernen Sie deren Haare, die zu Reizungen der Epidermis führen können, regelmäßig mit dem Staubsauger und Fusselrollen. Spielsachen, Futterschalen und Käfige sollten häufig gewaschen und gereinigt werden, da sie potentielle Keimherde sind, die Neurodermitiker meiden sollten.

Bildnachweis: ©Shutterstock-Titelbild: Claudia Pylinskaya, #01: ViDi Studio, #02: mypokcik

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

Leave A Reply