Histamin Allergie: Was bedeutet Histamin Unverträglichkeit?

Unwohlsein nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel kann auf eine Allergie hindeuten wie zum Beispiel eine Histamin-Allergie. Doch wie erkennt und behandelt man diese?

Histamin-Allergie: Was bedeutet das eigentlich?

Mit dem Begriff „Allergie“ sind die meisten Menschen bekannt. Und das kommt nicht von ungefähr: Allergien sind häufige Erkrankungen, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Besonders sogenannte Inhalationsallergien wie Heuschnupfen sind bei uns sehr prominent. Zu Beginn der 1990er Jahre gaben fast zehn Prozent der Befragten im Rahmen einer nationalen Umfrage an, dass sie schon einmal an Heuschnupfen gelitten haben. In den alten Bundesländern war der Anteil der Erkrankten mit 10,6 Prozent deutlich höher als in den neuen Bundesländern mit „nur“ 5,8 Prozent.

Bereits zehn Jahre später, Ende der 1990er, waren schon 14,5 Prozent der deutschen Bevölkerung von der Allergie betroffen. Wo es vorher keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern gab, hatte sich bis 1998 einer solcher gebildet: Frauen leiden in Deutschland mittlerweile häufiger an einer allergischen Erkrankung. Von 2008 bis 2011 wurde bei einer weiteren Umfrage in Erfahrung gebracht, dass sich die Zahlen der Allergieerkrankten bei Heuschnupfen auf einem hohen Niveau stabilisiert hat.

Im Allgemeinen gesagt ist eine Allergie eine krankhafte Überreaktion des eigenen Immunsystems auf einen harmlosen Stoff. Bei einer Histamin-Allergie kann das Histamin im Körper des Betroffenen nicht richtig aufgebaut werden.

Histamin ist ein in tierischen und pflanzlichen Organismen verbreitetes Hormon auf Stickstoff-Basis. Es stellt eine wesentliche Grundlage des menschlichen Immunsystems dar: Bei einer allergischen Reaktionen schüttet der Körper Histamin aus und setzt dadurch Symptome wie Juckreiz oder Muskelkontraktionen in Gang. Zudem nehmen Menschen im Alltag mit dem Essen Histamin auf. Meist sind es deshalb bestimmte Lebensmittel, die den Betroffenen zu schaffen machen.

Während das Enzym Diaminoxidase (kurz: DAO) das Histamin im Körper eigentlich abbauen sollte, liegt bei Menschen, die an einer Histamin-Allergie leiden, eine Störung dieses Enzyms vor, denn es arbeitet nur beschränkt. Mit dieser Abbaustörung wird man nicht geboren, Stattdessen wird sie im Laufe des Lebens erworben. Etwa ein Prozent der Deutschen leiden an dieser Abbaustörung.

Video: Histaminintoleranz – Leben mit der Lebensmittelampel | odysso – Wissen im SWR

Histamin-Allergie oder Histaminunverträglichkeit

Obwohl der Begriff „Histamin-Allergie“ recht verbreitet ist, ist er eigentlich nicht zutreffend.
Eine Histamin-Allergie im klassischen Sinne einer Allergie gibt es nämlich nicht. Statt einer Histamin-Allergie liegt in den meisten Fällen eher eine Unverträglichkeit auf Histamin vor. Trotzdem wird immer wieder der Begriff der Histamin-Allergie verwendet. Warum ist so falsch?

Eine Allergie per Definition ist eine Überreaktion des Immunsystems auf aufgenommene Stoffe wie etwa Pollen, Insektengift, Medikamente oder auch Fremdblut. Dies ist bei Histamin aber nicht der Fall. Betroffenen leiden also deshalb an keiner Histamin-Allergie, weil sie nicht „allergisch“ auf den Stoff Histamin reagieren, sondern weil sie Probleme beim Abbau des Stoffes haben. Der Darm ist in einem solchen Fall durch ein fehlendes Enzym (die DAO) nicht in der Lage, das Histamin abzubauen. Der Histamin-Spiegel im Körper wird deshalb so hoch, dass Symptome auftreten, die stark an eine Allergie erinnern. Deshalb denken Betroffene eher an einer Histamin-Allergie statt an eine Unverträglichkeit.

Ob man an einer Histamin-Allergie leidet, kann man am besten mit Hilfe eines Provokationstests erkennen. Für diesen Test muss man zwei Wochen eine sehr histaminarme Ernährungsweise einhalten. (#01)

Ob man an einer Histamin-Allergie leidet, kann man am besten mit Hilfe eines Provokationstests erkennen. Für diesen Test muss man zwei Wochen eine sehr histaminarme Ernährungsweise einhalten. (#01)

Histamin-Allergie: Die schwierige Diagnose

Eine Histamin-Allergie beziehungsweise eine Unverträglichkeit zu erkennen ist kein einfaches Unterfangen. Zum einen sind die Symptome recht unspezifisch. Sie umfassen zum Beispiel:

  • Juckreiz
  • Rötungen der Haut
  • Kopfschmerzen
  • Herzrasen
  • Atemprobleme
  • Übelkeit
  • Erschöpfung
  • Schlafstörungen

Zudem schwankt der Histamingehalt von Lebensmittel stark. Es ist also enorm schwierig, eine Reaktion einem bestimmten Lebensmittel zuzuordnen. Je nach Frische, Reife und Sorte des betreffenden Nahrungsmittels kann er zwischen 0,4 bis 250 Milligramm je 100 Gramm liegen. Zu einer wirklich auffälligen Reaktion kommt es in der Regel nur bei bakteriell fermentierte Lebensmitteln wie zum Beispiel Rotwein, gereiftem Käse und geräuchertem Fisch. Die Diagnose ist in der Praxis tatsächlich so problematisch, dass sich etwa 50 Prozent der „Verdachtsfälle“ auf eine Histamin-Allergie als falsch erweisen, weil letztendlich andere Ursachen zugrunde liegen.

Ob man an einer Histamin-Allergie leidet, kann man am besten mit Hilfe eines Provokationstests erkennen. Für diesen Test muss man zwei Wochen eine sehr histaminarme Ernährungsweise einhalten. Sollten die Symptome nach Beendigung dieser Diätphase wiederkommen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine Histaminunverträglichkeit besteht.

Video: Histamin Intoleranz- eine Störung mit vielen Gesichtern

Histamin-Allergie: Symptome und Behandlungsmöglichkeit

Die Symptome der Histamin-Allergie sind vielfältig, was die Diagnose natürlich erheblich erschwert. Die Beschwerden sind dadurch nämlich schwer von denen anderen Allergien oder Erkrankungen im Allgemeinen zu unterscheiden.

Bis sie sich bemerkbar machen, dauert es meist einige Minuten bis wenige Stunden nach dem Verzehr histaminreicher beziehungsweise histaminfreisetzender Lebensmittel. Bei fast der Hälfte der Betroffenen treten die Beschwerden bereits nach wenigen Minuten auf. Etwa zehn Prozent leiden erst am darauffolgenden Tag an den Folgen ihrer Ernährung.

Generell lassen sich die Symptome in gewisse Symptomgruppen unterteilen, oft treten mehrere Symptome einer dieser Gruppen gehäuft auf. Zudem können Symptomgruppen auch gemeinsam auftreten. Es gibt aber auch Fälle, in denen sich nur ein oder zwei Symptome bemerkbar machen.

Die Symptomgruppen umfassen die folgenden Bereiche:

  • Haut
  • Herz-Kreislaufsystem
  • Verdauungstrakt
  • Genitaltrakt
Die Symptome der Histamin-Allergie sind vielfältig, was die Diagnose natürlich erheblich erschwert. Die Beschwerden sind dadurch nämlich schwer von denen anderen Allergien oder Erkrankungen im Allgemeinen zu unterscheiden. (#02)

Die Symptome der Histamin-Allergie sind vielfältig, was die Diagnose natürlich erheblich erschwert. Die Beschwerden sind dadurch nämlich schwer von denen anderen Allergien oder Erkrankungen im Allgemeinen zu unterscheiden. (#02)

In jeder dieser Gruppen gibt es häufige und weniger häufige Symptome. Die häufigsten Symptome der verschiedenen Symptomgruppen sind:

Haut

  • Flush (Rötungen im Bereich von Hals und Gesicht)
  • Juckreiz
  • Schwellungen
  • Ausschlag

Herz-Kreislauf-System / Zentrales Nervensystem:

  • Kopfschmerz bis hin zu Migräne
  • Schwindel
  • Müdigkeitsgefühl
  • Kreislaufprobleme
  • Schneller Herzschlag bis Herzrasen

Verdauungstrakt

  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Blähungen
  • Bauchkrämpfe

Genitaltrakt

  • Krampfartige Regelschmerzen
Es gibt auch die Möglichkeit, die Symptome durch die Gabe von Antihistaminika zu mildern. Dafür sollte man aber auf jeden Fall einen Arzt konsultieren. Auch die Aufnahme von Vitamin C kann sinnvoll sein, da das Vitamin den Histaminabbau begünstigt. Zusätzlich kann auch Vitamin B6 eingenommen werden, dass wichtig für die Synthese der DAO ist. (#03)

Es gibt auch die Möglichkeit, die Symptome durch die Gabe von Antihistaminika zu mildern. Dafür sollte man aber auf jeden Fall einen Arzt konsultieren. Auch die Aufnahme von Vitamin C kann sinnvoll sein, da das Vitamin den Histaminabbau begünstigt. Zusätzlich kann auch Vitamin B6 eingenommen werden, dass wichtig für die Synthese der DAO ist. (#03)

Es wird generell davor gewarnt, dass es durch vereinzelte Symptome in sehr seltenen Fällen zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen kann. In Deutschland wurde aber noch kein solcher Fall dokumentiert.

 

Neben diesen häufigen Symptomen berichten einige von einer Histamin-Allergie betroffenen Patienten von den folgenden, selteneren Symptomen:

  • Schweißausbrüche
  • Kribbelgefühl in Extremitäten
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Nesselsucht
  • Atemnot
  • Sodbrennen
  • Sehstörungen
  • Jucken der Augen
  • Tinnitus
  • Zahnschmerzen
  • Kieferschmerzen
  • Entzündungen im Mund
  • Akne
  • Energielosigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Stimmungsschwankungen

Für eine Histamin-Allergie gibt es verschiedene Ansätze. Am Beste ist es, wenn man eine biogenarme Diät einhält. Es sollten also hauptsächlich frische Produkte konsumiert und auf verarbeitete Lebensmittel oder lange gelagerte Lebensmittel verzichtet werden.

Video: Meine Helferlein gegen zu viel Histamin

Vermeiden sollten man zum Beispiel:

  • Lange gereiften Käse, also Hartkäse
  • Alkohol
  • Rohe Wurstprodukte
  • Fischerzeugnisse
  • Tomaten
  • Erdbeeren
  • Zitrusfrüchte
  • Schokolade
  • Nüsse
  • Hefe
  • Fermentierte Sojaprodukte
  • Schwarzer Tee
  • Grüner Tee
  • Kaffee
  • Energydrinks

Es gibt auch die Möglichkeit, die Symptome durch die Gabe von Antihistaminika zu mildern. Dafür sollte man aber auf jeden Fall einen Arzt konsultieren. Auch die Aufnahme von Vitamin C kann sinnvoll sein, da das Vitamin den Histaminabbau begünstigt. Zusätzlich kann auch Vitamin B6 eingenommen werden, dass wichtig für die Synthese der DAO ist.

Zudem gibt es für die Betroffenen die Möglichkeit Enzympräparate einzunehmen, die das fehlende Enzym DAO hinzuführen. Von diesen Präparaten nimmt man direkt vor einer histaminreichen Mahlzeit ein oder zwei Tabletten ein. Für die meisten Menschen, die an einer Histamin-Allergie leiden, funktionieren diese Enzymtabletten sehr gut. Sie sind allerdings keinesfalls zur Dauermedikation gedacht und sollten als Plan B zum Bespiel für den Urlaub oder eine Einladung ins Restaurant gesehen werden.

Die in den Tabletten enthaltene Diaminoxidase (DAO) entspricht genau dem körpereigenen Enzym, das für den Histaminabbau zuständig ist und das den Betroffenen fehlt. Durch den Verzehr vor dem Essen wird die DAO-Menge im Körper erhöht und somit auch die Bereitschaft zum Histaminabbau. So kann das Histamin, dass durch die Nahrung aufgenommen wird, besser verarbeitet werden kann und das Auftreten von Beschwerden verhindert werden.


BIldnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Chris Tefme -#01: GSerban -#02: PK.Phuket studio  -#03: Lemau Studio

Share.

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

Leave A Reply