Neurodermitis: Ursachen & Auslöser

Die Ursachen der Neurodermitis und die vielseitigen Auslöser zu kennen, hilft, die Zeit zwischen den Schüben zu verlängern. Denn wer die Hintergründe und Trigger der Hautkrankheit versteht, kann besser mit ihr umgehen. Welche Ursachen und Auslöser eine Neurodermitis haben kann, verraten wir deshalb im folgenden Artikel.

Neurodermitis Ursachen: Wie entsteht die Hautkrankheit?

Wer an Neurodermitis leidet, der hat eine gestörte und beschädigte Hautbarriere. Während gesunde Menschen von ihrer Haut geschützt werden, ist diese bei Neurodermitikern empfindlich, trocken, rissig und somit durchlässig für Keime, Erreger und Pilze. Dadurch kann es schnell zu Infektionen kommen, auf die das Immunsystem mit heftigen Entzündungen und unerträglichem Juckreiz reagiert. Ekzeme entstehen an den betroffenen Stellen. Diese können sogar reißen, nässen und verkrusten.

Eine Abwärtsspirale beginnt. Der Patient kratzt, die gereizte Haut reißt weiter, es kommt zu neuen Infektionen, das Jucken wird schlimmer und das Kratzen beginnt von vorne. Die Heilung wird so verzögert und die Lebensqualität des Betroffenen deutlich eingeschränkt. Verstärkt wird der Leidensdruck durch die Tatsache, dass die Krankheit chronisch ist. Das heißt, dass immer wieder Schübe ausbrechen.

Die Hautkrankheit ist bisher leider nicht heilbar und die genauen Ursachen sind bis dato unbekannt. Lediglich die Symptome können bekämpft werden. So bleibt den Patienten nur die Hoffnung, dass sich die Neurodermitis irgendwann im Laufe des Lebens verbessert oder sogar von alleine zurückbildet. Die Behandlung der Ekzeme ist daher umso wichtiger, damit die Lebensqualität nicht zu sehr unter der Erkrankung leidet.

Video: Ursachen und Auslöser für Neurodermitis

Was sind die Auslöser für die trockene Haut bei Neurodermitis?

Die genauen Ursachen hat die Wissenschaft leider noch nicht herausgefunden. Eines steht jedoch fest: Neurodermitis geht meist auf eine genetische Veranlagung zurück. Sind beispielsweise beide Eltern betroffen, besteht eine 60 bis 80 prozentige Chance, dass das Kind ebenfalls an einer Neurodermitis, auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt, erkrankt. Auch die Zwillingsforschung konnte das belegen. So sind bei eineiigen Zwillingen wesentlich häufiger beide erkrankt, als bei zweieiigen. Eine genetische Disposition ist also meist die Ursache für Neurodermitis. Frauen haben eine etwas höhere Veranlagung als Männer, an einer Neurodermitis zu erkranken.

Doch woher genau kommt nun die gestörte und trockene Hautbarriere? Fast immer ist der Auslöser ein mangelnder Fettstoffwechsel der Haut. Die Lipide, die die Zellen abdichten, sind nur unzureichend vorhanden. Die Haut wird also durchlässiger, empfindlicher und anfälliger für Infektionen. Auch ein genetisch veranlagter Mangel des Proteins Filaggrin kann hinter einer Neurodermitis stecken. Es sorgt dafür, dass die Haut widerstandsfähig und elastisch ist. Liegt ein Mangel vor, wird die Hautbarriere brüchig und es kommt zu Ekzemen, da der Körper versucht, die eindringenden Erreger abzuwehren.

Die gestörte Barrierefunktion der Haut hat jedoch noch weitere Folgen. Die Feuchtigkeit kann nicht ausreichend gehalten werden und so leiden Betroffene auch während den inaktiven Phasen unter sehr trockener Haut, da Nährstoffe fehlen. Auch ist der Körper weniger gegen Umweltfaktoren und Schadstoffe geschützt, weshalb Neurodermitiker bis zu 20 Mal mehr Antikörper haben können, als gesunde Menschen. Sie neigen deshalb vermehrt zu Allergien und überempfindlichen Reaktionen, da die Antikörper schneller Alarm schlagen als beim Durchschnitt. Ganz besonders reagieren Neurodermitiker gegen reizende Materialien und Stoffe, die direkten Kontakt mit der Haut haben.

Dazu gehören:

  • Waschmittel und Weichspüler
  • Geschirrspülmittel
  • Shampoos und Duschgels
  • enge Kleidung oder Kleidung aus Stoffen wie Wolle, Seide und Polyester (da der Patient dadurch mehr schwitzt)
  • Hautcremes mit Duftstoffen
  • Kosmetik
  • Parfum und Deo
Da jeder Körper anders reagiert, sollten die individuellen Trigger mit Hilfe eines Tagebuchs oder durch genaue Beobachtung herausgefunden werden.

Da jeder Körper anders reagiert, sollten die individuellen Trigger mit Hilfe eines Tagebuchs oder durch genaue Beobachtung herausgefunden werden.(#01)

Neurodermitis: Ursachen, die einen Schub triggern können

Doch die Auslöser für einen Schub der atopischen Dermatitis sind vielseitig. Neben den oben genannten Ursachen gibt es noch weitere Punkte, die ein Ekzem begünstigen können. Da jeder Körper anders reagiert, sollten die individuellen Trigger mit Hilfe eines Tagebuchs oder durch genaue Beobachtung herausgefunden werden. Auch Allergietests beim Hautarzt können Klarheit bringen.

Auf folgende Faktoren sollten Neurodermitiker besonders achten, da sie sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken und eine Behandlung erschweren können:

  • Zigarettenrauch
  • Alkohol
  • raues Klima und beheizte Luft
  • Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Schalentiere, Nüsse, Soja. Eier und Weizen
  • Umweltfaktoren wie Abgase, verunreinigte Gewässer und Luft in Industriegebieten
  • zu viel Sonneneinstrahlung
  • Chlorwasser
  • häufiges Duschen und Baden
  • Pflege- und Hygieneprodukte mit starken Farb- und Duftstoffen
  • starkes Schwitzen (zum Beispiel nachts, im Sommer oder nach dem Sport)
  • Stress und psychische Probleme
  • hormonelle Faktoren wie Menstruation und Schwangerschaft
  • zu wenig Pflege mit feuchtigkeitsspendenden Cremes
  • Allergene wie Pollen oder Tierhaare

Eine Info-PDF der Unimedizin Mainz zum Thema finden Sie hier

Auch Allergietests beim Hautarzt können Klarheit bringen.

Auch Allergietests beim Hautarzt können Klarheit bringen. (#02)

Mechanische Reizungen und psychische Belastungen als Ursache für Neurodermitis

Leider hört auch hier die Liste der Dinge, die einen Schub auslösen können, nicht auf. Wichtig sind auch die Art des Berufes, die Gestaltung der Freizeit und die psychische Verfassung. Da die Haut von Neurodermitikern von Natur aus sehr empfindlich ist, sollten mechanische Reize nicht nur in Form von rauer Kleidung gemieden werden. Auch ein Beruf in dem die Haut immer wieder gereizt wird sollte dringend vermieden werden, da dieser schnell zur Ursache für einen Ausbruch der Ekzeme werden kann.

Hier ein paar Beispiele:

  • Spül- oder Reinigungskraft (da täglicher Kontakt zu Putzmitteln und Wasser nötig ist)
  • Gärtner
  • Friseur
  • Kosmetiker
  • Chemiker, Laborant und andere Berufe, die das Tragen von Handschuhen erfordern
  • Lackierer
  • Schweißer
  • Kranken- und Altenpfleger
  • Bäcker
  • Tischler

Doch nicht nur äußere Reize können zu einem Schub führen. Auch innere, emotionale Reize können den Betroffenen und seine Haut in Stress versetzen. Diese Situationen können die Ursache für einen Schub sein:

  • Depressionen
  • Todesfall und Trauer
  • Mobbing
  • Stress auf der Arbeit
  • familiäre Belastungen (Probleme in der Beziehung, Probleme der Kinder, kranke Verwandte)
  • finanzielle Sorgen
  • Streit mit Nachbarn
  • Unzufriedenheit in Beruf, Beziehung oder anderen Aspekten des Lebens

Besonders heikel ist das Thema Kratzen. Die Betroffenen halten den Juckreiz meist kaum aus, weshalb sie das Ekzem kratzen. Dies ist jedoch eine gravierende mechanische Reizung, die den Schub sogar verschlimmern kann und gehört zu den häufigsten Ursachen für eine verzögerte Heilung. Kratzt der Patient jedoch nicht, steigt das psychische Leid, was ebenfalls den Schub verschlimmern kann.

Daher gilt: Nur so viel kratzen wie nötig und besser mit einem kühlen, feuchten Wattepad mit Creme oder Wasser abtupfen, anstatt die Fingernägel zu nutzen. Lässt sich das nicht vermeiden, sollten diese wenigstens so kurz und rund wie möglich gehalten werden, um das Verletzungsrisiko zu senken.

Besonders heikel ist das Thema Kratzen. Die Betroffenen halten den Juckreiz meist kaum aus, weshalb sie das Ekzem kratzen.

Besonders heikel ist das Thema Kratzen. Die Betroffenen halten den Juckreiz meist kaum aus, weshalb sie das Ekzem kratzen.(#03)

Allergie als Ursache für Neurodermitis

Allergien bringen, wie die Neurodermitis auch, das Immunsystem dazu, heftig zu reagieren und Entzündungen der Haut hervorzurufen. Wer also unter Allergien leidet, sollte die Auslöser dringend meiden. Denn wer einen Allergieschub riskiert, riskiert auch einen Schub der atopischen Dermatitis. Für Neurodermitiker ist das Beachten der Allergene also von besonders hoher Wichtigkeit. Denn so können die inaktiven Phasen verlängert werden, was entscheidend zur Lebensqualität beiträgt.

Oftmals sind Allergiker sogar anfälliger dafür, im Laufe ihres Lebens eine Neurodermitis zu entwickeln, da die Überempfindlichkeit der Haut und die stetige Reizung die chronische Erkrankung begünstigt. Deshalb ist es auch für Allergiker ohne bisherige Symptome einer Neurodermitis ratsam, sich möglichst wenig den Allergenen auszusetzen.

Typische Allergene und Ursachen sind:

  • Pollen und Gräser
  • Lebensmittel (Eier, Milchprodukte, Weizen, Soja, Nüsse und mehr)
  • Waschmittel
  • Kosmetik
  • Pflegeprodukte
  • Hausstaub und Milben
  • Tierhaare
  • Medikamente wie Penicillin

Mehr Informationen zu den Themen Neurodermitis und Allergien und deren Ursachen finden man auf der Internetseite des DAAB (Deutscher Allergie- und Asthmabund)

Video: Neurodermitis

10 Tipps, um den nächsten Schub hinauszuzögern

  1. Ernährt man sich gesund und ausgewogen. Der Arzt kann sagen, welche Nahrungsmittel vermieden werden sollten und welche Nährstoffe wichtig sind.
  2. Freizeit und den Urlaub möglichst in der Natur und nicht in der Stadt verbringen. Die saubere Luft wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Besonders gut sind Berg- und Meerluft. Wer jedoch unter einer Pollenallergie leidet, sollte besser nicht ins Naturschutzgebiet fahren.
  3. Tägliches Eincremen mit feuchtigkeitsspendenden und rückfettenden Cremes. Besonders geeignet sind sogenannte Emolliens.
  4. Die Freizeit sollte man mit entspannenden Tätigkeiten verbringen, um den Alltagsstress auszugleichen. Meditieren, lesen, musizieren, tagträumen, Yoga, autogenes Training und Chi-Gong sind dafür sehr geeignet. Tätigkeiten, die die Haut belasten, wie z.B. das Töpfern oder Basteln mit reizenden Kleb- und Farbstoffen sind dagegen weniger geeignet. Auch wenn sie entspannend sind.
  5. Im Sommer lieber Badeseen oder das Meer nutzen, anstatt ins Schwimmbad zu gehen. Das Chlorwasser trocknet die Haut aus und kann zu einer der Ursachen für einen Schub werden, während das Salzwasser des Meeres desinfizierend und sogar heilend wirkt.
  6. Der Stresspegel sollte unbedingt hinterfragt werden, ob man da nicht evt mit dem Rotstift drangehen könnte. Müssen es wirklich 4 Vereine und 2 Ehrenämter neben dem Beruf sein? Das individuelle Stresslevel gilt er rauszufinden, das sich nicht negativ auf die Neurodermitis auswirkt.
  7.  Zuhause möglichst häufig kurze oder weite Kleidung tragen. Umso mehr die Haut atmen kann und umso weniger sie gereizt wird, umso besser.
  8. Bettwäsche benutzen, in der man nicht zu sehr schwitzt. Baumwolle ist atmungsaktiver als Polyester, auch wenn das herrlich kuschelig ist. Doch besonders das nächtliche Schwitzen fördert den Juckreiz und kann einen Schub triggern.
  9. Nicht zu heiß duschen und nicht zu kalt. Beides kann die Haut irritieren. Anschließend behutsam abtupfen, anstatt sich kräftig abzureiben.
  10. Herstellen von Kosmetika und Pflegeartikel wie Deo und ätherische Öle als Duft benutzten. So kann man sicher sein, dass keine Allergene und reizenden Stoffe enthalten sind.
  11. Ein tolles und einfaches Rezept für ein selbstgemachtes Deo finden Sie hier

 


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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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