Neurodermitis beim Kleinkind: Hilfe gegen den Juckreiz

Kleinkinder erkranken besonders häufig an Neurodermitis. Die Hautkrankheit kann sehr belastend für die ganze Familie werden, weshalb ein richtiger Umgang mit ihr essentiell ist. Hier finden Sie nützliche Tipps gegen den den quälenden Juckreiz und für ein fröhliches Kinderlachen.

Neurodermitis beim Kleinkind: Unsere Jüngsten leiden am meisten unter der Erkrankung

Kleinkinder leiden nicht nur deutlich stärker unter einer Neurodermitis, da sie sich noch nicht vollständig ausdrücken und ihr Leid kundtun können, sie sind auch noch deutlich häufiger betroffen, als Erwachsene. Während die Zahl der Erkrankten im Erwachsenenalter auf 1 bis 3 Prozent kommt, sind es im Kleinkindalter ganze 15 bis 20 Prozent.

Das liegt besonders daran, dass Kleinkinder noch kein voll entwickeltes Immunsystem haben, was sie wesentlich anfälliger für die chronische Hautkrankheit macht. Diese verläuft in Schüben und entsteht meist durch einen vererbten Filaggrinmangel, einem Mangel des Proteins, das der Haut Stabilität und Widerstandskraft verleiht. Auch eine genetisch bedingte Fettstoffwechselstörung der Haut kann der Auslöser für die Erkrankung sein.

Bei Kleinkinder kommt jedoch noch ein weiterer Punkt in Frage:
Die ohnehin empfindliche Haut der Kleinen.

Wird sie stark gereizt, kann es schneller zu einem Schub kommen, als bei einem Erwachsenen. Waschmittel, enge Kleidung, Umweltschadstoffe und trockene Luft sind nur einige der Beispiele, die Kinderhaut schädigen können. Leidet der Nachwuchs an Neurodermitis, kann so eine Reizung schnell dazu führen, dass die gestörte Hautbarriere reißt, Keime und Erreger eindringen und das empfindliche Immunsystem heftig reagiert. Es bilden sich sogenannte atopische Ekzeme, also entzündete Stellen auf der Haut, die qualvoll jucken und sogar verkrusten können. Meist tauchen die Ekzeme bei Kleinkindern im Gesicht, an den Armen und an den Beinen auf. Die viel beanspruchten Knie- und Armbeugen sind typische Stellen für die Entzündungen.

Da der Körper, inklusive Haut und Immunsystem,
bei einem Kleinkind noch in der Entwicklungsphase ist,
sind die Kleinen besonders schutzlos gegen Neurodermitis.

Im Gegensatz zu Erwachsenen gilt das auch für den richtigen Umgang mit den Symptomen. Während man einem Erwachsenen erklären kann, warum er nicht kratzen sollte und dass der Schub bald wieder verschwinden kann, versteht ein Kleinkind oftmals nicht, was mit ihm los ist. Es hat kein Verständnis für die Dauer des Schubs, versteht nicht, warum es nicht kratzen darf, wenn es doch so juckt. Und so leidet es meist furchtbar unter der Situation. Das kann auch den Eltern schwer zu schaffen machen.

Bereits im Babyalter können die ersten Symptome auftreten. Deshalb sollte man besonders gut auf den sogenannten Milchschorf auf dem Kopf des Säuglings achten. Ein normaler Milchschorf ist meist harmlos. Breitet sich dieser jedoch auf Gesicht und Hals aus und wird von starken Rötungen und einem Juckreiz begleitet, kann das ein Hinweis darauf sein, dass eine Neurodermitis vorliegt.

Video: Kinderarzt Dr. Uhlig erklärt: Neurodermitis bei Kindern

Kleinkind mit Neurodermitis richtig behandeln: Was stoppt den Juckreiz?

Eine Nachricht, die Eltern nicht gerne hören, jedoch wissen sollten: Neurodermitis ist nicht heilbar. Sie kann sich zwar zurückentwickeln, doch es gibt keine offizielle Heilung für die chronische Hautkrankheit. Eltern sollten sich deshalb gut über die Erkrankung informieren, damit das Kleinkind möglichst effektiv behandelt werden kann. Denn das Lindern der Symptome ist die einzige Möglichkeit, die Eltern und Ärzte der Jugendmedizin haben.

Salben

Da bei einem Erkrankten die Hautbarriere gestört und dadurch sehr trocken und rissig ist, ist die wichtigste Maßnahme eine feuchtigkeitsspendende Salbe. Verbände sorgen für ein gutes Einziehen und hindern das Kind gleichzeitig am Kratzen. Auch in den inaktiven Phasen zwischen den Schüben sollte eine geeignete Salbe angewendet werden, um die Haut möglichst lange vor einem weiteren Ausbruch zu bewahren und dem Kind somit Lebensqualität zu schenken. Ein Arzt der Jugendmedizin kann ein für Kinder geeignetes Präparat empfehlen und verschreiben.

Rückfettende Bade- und Duschzusätze

Auch rückfettende Dusch- und Badezusätze sind eine gute Unterstützung, da baden und duschen die Haut austrocknet. Deshalb am besten maximal einmal täglich waschen und sanft abtrocknen. Denn auch ein starkes Reiben mit dem Handtuch kann die Hautschicht beschädigen. Es sollten Handtücher verwendet werden, die ohne aggressive Weichspüler gewaschen wurden, da diese die Haut reizen können. Zudem ist Baumwolle besser für die Haut, als beispielsweise Polyester.

Auch rückfettende Dusch- und Badezusätze sind eine gute Unterstützung, da baden und duschen die Haut austrocknet.

Auch rückfettende Dusch- und Badezusätze sind eine gute Unterstützung, da baden und duschen die Haut austrocknet.(#01)

Kortison

Kortisonhaltige Cremes können von einem Facharzt der Kinderheilkunde verschrieben werden. Viele Eltern sträuben sich gegen den Wirkstoff, doch er spielt, gerade bei einem heftigen Schub, eine der wichtigsten Rollen in der Behandlung der Entzündungen und des Juckreizes. Cremes und Präparate für Kleinkinder sind vom Wirkstoffgehalt her extra auf die Kleinen abgestimmt, sodass sie eine andere Stärke verschrieben bekommen, als Erwachsene. Eltern sollten sich an die Vorgaben des Arztes halten und nur so viel von der Creme verwenden, wie dieser rät. So kann das Kleinkind schnell und gezielt Hilfe erfahren und bald wieder lachen. Denn kaum eine Behandlung ist so effektiv, wie die mit Kortison.

Die richtigen Pflegeprodukte

Sensitive Hygiene- und Pflegeprodukte sind ebenfalls wichtiger Bestandteil der Behandlung einer sogenannten atopischen Dermatitis. Es gibt spezielle Produkte wie Weichspüler, Waschmittel, Shampoos, Cremes und Seifen, die für Menschen mit Erkrankungen wie Neurodermitis oder auch einer Allergie geeignet sind, da sie weniger reizende Stoffe beinhalten und somit sanfter zur Haut sind. Liegt beim Kleinkind ein atopisches Ekzem vor, sollten diese Produkte immer bevorzugt verwendet werden.

Geeignete Kleidung

Wer ein Kleinkind mit Neurodermitis zuhause hat, der sollte strikt darauf achten, keine zu engen Kleidungsstücke oder solche aus einem reizenden Stoff wie Polyester, Wolle oder Seide zu verwenden. Baumwolle ist wesentlich geeigneter und schont die empfindliche Kinderhaut. Auch sollte das Kind nicht viel zu warm angezogen werden, da es sonst schnell schwitzt, was den Juckreiz enorm fördert und schnell zur Tortur werden kann. Mützen und Hüte sollten bei einem Schub auf der Kopfhaut nur dann aufgezogen werden, wenn es auf Grund der Kälte oder der starken Sonne nötig ist. Aus rein optischen Gründen sollte auf die schmückende Kopfbedeckung besser verzichtet werden.

Baumwolle ist wesentlich geeigneter und schont die empfindliche Kinderhaut.

Baumwolle ist wesentlich geeigneter und schont die empfindliche Kinderhaut.(#02)

5 Hausmittel gegen den Juckreiz

Neben der Kinderheilkunde hat auch die Hausapotheke einiges zu bieten.

  • Aloe Vera Gel aus dem Kühlschrank ist ein tolles und wohltuendes Hausmittel gegen den quälenden Juckreiz.
  • Kokosöl wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und fettet die trockene Haut.
  • Umschläge mit Kamillentee wirken dank der enthaltenen Flavonoide entzündungshemmend und bekämpfen somit das Jucken.
  • Meersalz im Badewasser wirkt desinfizierend und verhindert ein weiteres Infizieren mit Keimen und Erregern.
  • Hautmasken und Umschläge mit Quark oder Joghurt spenden Feuchtigkeit, fetten die trockene Haut und kühlen.

Ernährung

Wichtig ist auch die richtige Ernährung. Denn oftmals begleitet insbesondere Kleinkinder mit Neurodermitis eine Allergie gegen gewisse Nahrungsmittel. Werden diese trotzdem verzehrt, leidet der Nachwuchs sowohl an den Folgen des Allergieschubs als auch an einem Schub der Hauterkrankung. Denn meist hängen die Erkrankungen dicht zusammen.

Folgende Narhungsmittel sollten von Kleinkindern mit Neurodermitis vorsorglich gemieden werden, da sie bekannt dafür sind, Schübe triggern zu können:

  • Milchprodukte
  • Schalentiere
  • Nüsse
  • Zucker
  • Geschmacksverstärker
  • Eier
  • Soja

Welche Nahrungsmittel für ein Kleinkind mit Neurodermitis geeignet sind und welche besser nicht verzehrt werden sollten, erfahren Eltern vom Kinderarzt. Auch das Gespräch mit anderen betroffenen Eltern kann aufschlussreich und hilfreich sein. 4

Auf dem Neurodermitisportal können sich Angehörige von Erkrankten im Kleinkindalter austauschen:

Sollte das Kind nach dem Verzehr gewisser Lebensmittel starke Schwellungen der Schleimhäute und sogar Atemnot bekommen, muss sofort ein Notarzt gerufen werden. Es könnte sich um einen anaphylaktischen Schock handeln, der sogar lebensgefährlich werden kann.

In diesem Fall:

  • sofort die 112 wählen und Hilfe holen!

Video: Neurodermitis und Multiple Allergien | Meine Erfahrung |

Neurodermitis beim Kleinkind: 5 Tipps für Eltern

  1. Benutzten Sie ebenfalls eine Creme, wenn Sie ihr Kind eincremen. So fühlt es sich nicht anders behandelt und bekommt das Gefühl, es sei alles in Ordnung.
  2. Bringen Sie Ihrem Kleinkind spielerisch näher, was mit der Haut los ist. Versuchen Sie ihm auf unterhaltsame Weise zu vermitteln, warum es nicht kratzen sollte. So wird der Schub als weniger bedrohlich wahrgenommen und das Kind kann besser nachvollziehen, was mit ihm los ist, als wenn es bloß zum Kinderarzt gebracht und eingecremt wird.
  3. Halten Sie die Fingernägel kurz und feilen Sie sie rund. So sinkt das Verletzungsrisiko beim Kratzen enorm.
  4. Es gibt spezielle Kinderbücher, die Eltern ihren erkrankten Kindern vorlesen können und die auf einfache und spannende Weise das Thema kleinkindgerecht verpacken. Auf Bilderbücher und Geschichten sprechen die Kleinen nämlich meist besser an, als auf eine bloße Erklärung. Fragen Sie im Buchhandel oder stöbern Sie im Internet.
  5. Nehmen Sie das Leid Ihres Kindes ernst und reagieren Sie verständnisvoll. Auch wenn das Kind die ganze Nacht geschrien hat und das Nervenkostüm dünn ist, sollten Sie ruhig bleiben. Wütend oder genervt zu reagieren führt zu Schuldgefühlen und Stress beim Nachwuchs, was die Neurodermitis nur noch weiter triggert und den Schub verschlimmern kann. Versetzen Sie sich in die Lage des Kindes und probieren Sie mit Hilfe eines Tagebuchs aus, was die Schübe verbessert und was verschlimmert, damit bald Ruhe für Groß und Klein einkehrt.

Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Africa Studio  -#01:  Evgeny Atamanenko-#02:  Inmaculada Blanca

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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