Neurodermitis: Symptome & Behandlung

Die Hautkrankheit Neurodermitis hat für die Betroffenen schwere Folgen. Sie leiden unter starkem Juckreiz, entzündeter Haut und häufig unter bleibenden Narben. Hier erfahren Sie, welche Symptome bei dieser Krankheit auftreten und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen.

Neurodermitis: Eine häufig auftretende Hautkrankheit

Die Haut ist nicht nur das größte Organ des Körpers. Darüber hinaus ist sie besonders häufig von Krankheiten betroffen. Im Jahre 2015 führte die Zeitschrift Apotheken Umschau eine repräsentative Umfrage durch, bei der die Teilnehmer befragt wurden, ob sie von einer Hautkrankheit oder einem anderen Problem mit diesem Organ betroffen sind.

  • Dabei gaben 33,4 Prozent der Teilnehmer an, dass dies auf sie zutrifft. Das bedeutet, dass rund ein Drittel der Bevölkerung an Problemen mit der Haut leidet. Kein anderes Organ ist so häufig von einer Krankheit betroffen. Besonders gravierend sind die Beschwerden bei älteren Menschen.
  • Bei den Teilnehmern mit einem Alter von über 60 Jahren gaben sogar 47,8 Prozent an, an Hautproblemen zu leiden – also beinahe die Hälfte der älteren Menschen.

Eine besonders häufige Hautkrankheit stellt die Neurodermitis dar. Im Gegensatz zu den meisten anderen Beschwerden tritt diese jedoch vorwiegend bei Kindern auf. Auch hierzu gibt es verschiedene wissenschaftliche Studien. Eine Untersuchung zur Häufigkeit der Neurodermitis in den Industriestaaten kam zu dem Ergebnis, dass zwischen 5 und 20 Prozent der Kinder betroffen sind. Bei Erwachsenen liegt die Verbreitung hingegen lediglich bei 1 bis 3 Prozent.

Eine andere Untersuchung, die sich mit der Situation in Deutschland beschäftigte, kam zu dem Ergebnis, dass hier bei 8 bis 16 Prozent der Kinder bereits vor der Einschulung Neurodermitis aufgetreten ist. Darüber hinaus ist auffällig, dass die Häufigkeit dieser Krankheit in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen ist. Mitte des 20. Jahrhunderts betrug der Anteil der Betroffenen an der Gesamtbevölkerung weniger als ein Viertel der heutigen Werte.

Video: Neurodermitis ist heilbar OHNE Medikamente

Neurodermitis: Was ist das überhaupt?

Der Name Neurodermitis wurde im 19. Jahrhundert eingeführt. Der Wortbestandteil Neuro deutet darauf hin, dass diese Krankheit mit dem Nervensystem zusammenhängt. Die Forscher dieser Zeit gingen davon aus, dass ein erkrankter Nerv die Ursache für dieses Phänomen darstellt. Das konnten die Mediziner jedoch mittlerweile eindeutig widerlegen, sodass der Begriff Neurodermitis eigentlich irreführend ist. Aus diesem Grund verwenden Hautärzte zumindest in der Fachsprache den Ausdruck atopisches Ekzem. Auch die Bezeichnung atopische Dermatitis ist gebräuchlich.

Die Krankheit zeigt sich an einem intensiven Hautausschlag, der mit einem starken Juckreiz verbunden ist. Dieser kann zwar wieder zurückgehen, doch handelt es sich bei Neurodermitis um eine chronische Erkrankung. Das bedeutet, dass der Hautausschlag immer wieder zurückkehrt.

Neurodermitis: Welche Ursachen hat die Neurodermitis

Aus der Erklärung des Ursprungs dieser Bezeichnung wird deutlich, dass die Forscher ursprünglich eine falsche Ursache für die Hautkrankheit annahmen. Zwar können sie mittlerweile einen Zusammenhang mit dem Nervensystem ausschließen, die genauen Ursachen sind jedoch bis heute noch nicht abschließend erforscht.

Einen wesentlichen Faktor stellt nach den bisherigen Erkenntnissen die genetische Veranlagung dar. Das hat zur Folge, dass wichtige Proteine, die für die Struktur der Haut verantwortlich sind, nicht gebildet werden. Das führt wiederum dazu, dass die Haut die Barrierefunktion dieses Organs nicht in vollem Umfang erfüllen kann. Daher können verschiedene Stoffe – insbesondere Allergene – in den Organismus eindringen. Die Forschungen in diesem Bereich konnten jedoch bislang keine eindeutigen Belege für diese These liefern. Daher handelt es sich dabei bislang nur um eine Vermutung.

Als weitere Ursache für die Krankheit kommt eine lokale Entzündung infrage. Dabei gelangen bestimmte Entzündungszellen in die Haut und lagern sich dort ein. Diese reagieren besonders sensibel auf äußere Einflüsse und bewirken, dass sich die Haut sehr leicht entzündet. Doch auch diese These ist noch nicht abschließend erforscht. Daher erstellt der Arzt seine Diagnose in der Regel ausschließlich anhand der Symptome, die im folgenden Abschnitt vorgestellt werden.

Menschen, die am atopischen Ekzem leiden, haben generell eine sehr trockene und empfindliche Haut. Häufig ist sie gerötet.

Neurodermits an den Händen: Menschen, die am atopischen Ekzem leiden, haben generell eine sehr trockene und empfindliche Haut. Häufig ist sie gerötet.(#01)

Neurodermitis: Die wesentlichen Symptome der Krankheit

Menschen, die am atopischen Ekzem leiden, haben generell eine sehr trockene und empfindliche Haut. Häufig ist sie gerötet. Ihre Barrierefunktion ist wie im vorherigen Abschnitt beschrieben nicht intakt. Das bedeutet, dass Fremdstoffe in den Körper eindringen können. Selbst bei geringfügigen äußeren Reizen beginnt die Haut zu jucken.

Neurodermitis zeichnet sich durch die Existenz von Provokationsfaktoren aus. Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen starke Schweißbildung, Sonneneinstrahlung, Hitze oder Kälte und Stress. Allergien, hartes Wasser, häufiges Waschen, bestimmte Nahrungsmittel und bakterielle Infekte stellen weitere Möglichkeiten dar. Diese Provokationsfaktoren sind bei allen Patienten sehr individuell ausgeprägt. Manche Patienten reagieren beispielsweise auf Schweißbildung, während diese bei anderen Betroffenen keine Reaktion auslöst. Bei ihnen ist hingegen starke Kälte für das Ausbrechen der Krankheit verantwortlich. Die genauen Ausprägungen sind dabei von Patient zu Patient verschieden.

Wenn der entsprechende Risikofaktor eintritt, kommt es zu einem akuten Ausschlag. Die Haut färbt sich intensiv rot und es tritt ein sehr starker Juckreiz auf. Diese Symptome setzen einen gefährlichen Kreislauf in Gang. Die Betroffenen kratzen sich an den entsprechenden Stellen. Das führt zu Verletzungen der Haut und ruft daher Entzündungen hervor. Das führt wiederum dazu, dass die Haut noch stärker juckt. Daher kratzen sich die Betroffenen noch häufiger, was die Entzündung noch schlimmer macht. Insbesondere bei Kindern ist dieser Kreislauf sehr schwer zu durchbrechen, da diese normalerweise nur über eine geringe Selbstkontrolle verfügen, sodass sie sich ungehemmt kratzen. Dadurch dauert es sehr lange, bis die Ekzeme abheilen.

Neurodermitis: Provokationsfaktoren herausfinden und vermeiden

Eine der wichtigsten Aufgaben bei der Behandlung von Neurodermitis besteht darin, die Risikofaktoren für das akute Auftreten der Krankheit herauszufinden. Zu diesem Zweck führt der Arzt intensive Gespräche mit den Betroffenen – beziehungsweise mit den Eltern, wenn es sich dabei um Kleinkinder handelt. Ziel dieser Gespräche ist es, die individuellen Faktoren herauszufinden, die für das Auftreten der Krankheit verantwortlich sind.

Zu diesem Zweck müssen die Patienten den Verlauf der Krankheit über einen längeren Zeitraum hinweg intensiv beobachten. Es ist sinnvoll, wenn sie sich bei jedem akuten Schub genau notieren, welche Nahrungsmittel oder Medikamente sie zu sich genommen haben, welche Kleidung sie trugen, welche Temperatur herrschte, ob sie geschwitzt haben und ob sie zu diesem Zeitpunkt Stress hatten. Dadurch lassen sich die spezifischen Risikofaktoren in der Regel relativ sicher bestimmen.

Wenn der Patient die Auslöser der Krankheit kennt, ist eine umfassende Prävention möglich. Es ist wichtig, den Kontakt zu den Provokationsfaktoren so weit wie möglich zu reduzieren. Das sorgt dafür, dass kaum noch akute Schübe auftreten. Dadurch kommt es zu einer erheblichen Linderung der Beschwerden.

Video: Wie Ernährungsumstellung bei Neurodermitis hilft | NDR

Gründliche Basispflege der Haut

Ein weiteres Mittel der Prävention stellt eine gründliche Basispflege der Haut dar. Diese ist nicht nur als Vorsorge, sondern auch bei der akuten Behandlung der Symptome sehr wichtig. Das Ziel der Hautpflege besteht darin, die Barrierefunktion zu verbessern. Dazu kommen verschiedene Cremes und Lotionen zum Einsatz, die Öle enthalten und die Haut daher fetten.

Wenn man diese Maßnahmen regelmäßig durchführt, ist ein Ausbrechen der juckenden Hautausschläge deutlich weniger wahrscheinlich. In akuten Fällen führt die Basispflege zu einer schnelleren Heilung. Wenn Sie an Neurodermitis leiden, sollten Sie die Verwendung der Pflegeprodukte in jedem Fall mit Ihrem Hautarzt absprechen. Dieser kann Ihnen Cremes und Lotionen empfehlen, die zu Ihrem Krankheitsbild passen.

Neurodermitis & Cremes: Rezeptfreie Hautcremes für leichte Fälle

Wenn die Symptome nicht allzu schwerwiegend sind, dann ist es möglich, eine rezeptfreie Creme aus der Apotheke zur Linderung der Beschwerden zu verwenden. Ein Beispiel hierfür ist Soventol. Diese Creme kommt häufig zur Behandlung der Symptome der Neurodermitis zum Einsatz. Dieses Produkt enthält als Wirkstoff Hydrocortison.

Dieser Stoff hat zwei wichtige Funktionen, die zur Heilung beitragen:
Er hemmt die Entzündung und er führt zu einer Minderung des Juckreizes.

Wenn die Ekzeme nicht allzu groß sind und keine offenen Wunden auftreten, dann können Sie mit Soventol oder mit einem ähnlichen Präparat in der Regel einen schnellen Heilungserfolg erzielen. Sollten die Beschwerden bestehen bleiben oder sogar schlimmer werden, dann ist es jedoch notwendig, einen Hautarzt aufzusuchen.

Wenn die Symptome besonders stark ausgeprägt sind – wenn beispielsweise stark entzündete offene Wunden auftreten – dann kommt auch eine systemische Behandlung in Betracht.

Wenn die Symptome besonders stark ausgeprägt sind – wenn beispielsweise stark entzündete offene Wunden auftreten – dann kommt auch eine systemische Behandlung in Betracht.(#02)

Äußerliche Behandlung durch Glucocorticoide

Wenn die atopische Dermatitis stärker ausgeprägt ist, ist es wichtig, einen Termin bei einem Dermatologen zu vereinbaren. Dieser untersucht Sie genau und ermittelt, ob es sich bei dem Hautausschlag tatsächlich um Neurodermitis handelt. Teil der Diagnose ist es außerdem, die Schwere der Symptome zu ermitteln. Davon hängt die Art der Behandlung ab. Der Hautarzt verschreibt Ihnen daraufhin in der Regel eine Salbe, die Glucocorticoide als Wirkstoff verwendet.

Das im vorherigen Abschnitt angesprochene Hydrocortison zählt ebenfalls zu dieser Wirkstoffgruppe. Es hat im Vergleich zu anderen Präparaten jedoch einen relativ schwachen Effekt. Wenn die Symptome stark ausgeprägt sind, kann der Arzt Ihnen eine deutlich wirksamere Salbe verordnen. Diese ist jedoch verschreibungspflichtig.

Neurodermitis Behandlung: Systemische Behandlung in schweren Fällen

Wenn die Symptome besonders stark ausgeprägt sind – wenn beispielsweise stark entzündete offene Wunden auftreten – dann kommt auch eine systemische Behandlung in Betracht. Das bedeutet, dass der Wirkstoff nicht mehr lokal aufgetragen wird, sondern in Form einer Tablette oder einer Injektion auf den ganzen Körper angewendet wird. Dabei kommen häufig Antihistaminika zum Einsatz. Diese können das Jucken und andere Symptome der Krankheit deutlich lindern, indem sie die Verbreitung der entsprechenden Botenstoffe reduzieren. Frühere Antihistaminika hatten den Nebeneffekt, dass sie einschläfernd wirkten.

Moderne Präparate weisen diese Nebenwirkung jedoch nicht mehr auf. Bei der Behandlung von Neurodermitis ist dieser Effekt jedoch erwünscht, da er den Kindern beim Einschlafen hilft. Daher kommen bei der abendlichen Verabreichung häufig die früher verwendeten Arzneimittel zum Einsatz. Bei der morgendlichen Verabreichung werden hingegen Antihistaminika gewählt, die diesen Effekt nicht mehr aufweisen.

Sind die Symptome besonders stark, kommt auch Ciclosporin A zum Einsatz. Dieses führt in der Regel zu einem schnellen Rückgang der Beschwerden. Aufgrund der problematischen Nebenwirkungen sollte dieses Medikament jedoch nur über einen sehr kurzen Zeitraum hinweg verabreicht werden.

Die Symptome der Neurodermitis können das Leben schwer beeinträchtigen. Wenn die Haut ständig juckt, führt das zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Die Symptome der Neurodermitis können das Leben schwer beeinträchtigen. Wenn die Haut ständig juckt, führt das zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität.(#03)

Kontakt mit anderen Betroffenen ist hilfreich

Die Symptome der Neurodermitis können das Leben schwer beeinträchtigen. Wenn die Haut ständig juckt, führt das zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. Insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen häufig auch psychische Probleme hinzu. Die Symptome der Krankheit sind meistens gut sichtbar und beeinträchtigen das Erscheinungsbild. Das führt dazu, dass sich die Betroffenen sehr unsicher fühlen und dass ihr Selbstwertgefühl darunter leidet.

In diesem Fall ist es selbstverständlich möglich, einen Psychologen aufzusuchen. In vielen Fällen ist jedoch bereits der Kontakt zu anderen Betroffenen sehr hilfreich. Auf diese Weise ist es möglich, sich über die Symptome der Krankheit und den Umgang mit ihnen auszutauschen. Außerdem merken die Betroffenen, dass sie mit diesem Problem nicht alleine sind.

Um Kontakt zu anderen Neurodermitis-Patienten herzustellen, können Sie sich an den Bundesverband Neurodermitis e.V. zu wenden, den Sie unter folgender Adresse erreichen:

Bundesverband Neurodermitis e.V.
Tel.: 06742 87 13 -0

Heerstraße 189-191
56154 Boppard


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